Die an Manövern an der ukrainischen Grenze beteiligten russischen Truppen sind in ihre Standorte zurückgekehrt. Das sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu während eines Telefonats mit seinem US-Kollegen Chuck Hagel.

Grund für den Abzug der Truppen sei die Beteuerung aus Kiew, die ukrainische Armee «nicht gegen unbewaffnete Zivilisten» im Osten des Landes einzusetzen. Russland hatte Mitte April zusätzliche Einheiten an die Grenze zur Ukraine zu «Manövern» verlegt.

Ähnliche Informationen kamen am Abend auch vom russischen Verteidigungsministerium. «Nachdem die ukrainischen Behörden mitgeteilt haben, dass es keine Absicht gebe, die regulären militärischen Einheiten gegen unbewaffnete Bevölkerung einzusetzen, wurden die russischen Einheiten in ihre dauerhaften Standorte zurückverlegt», heisst es in einer Pressemitteilung.

Laut einer Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums versicherte Schoigu in dem Telefonat, dass russische Truppen nicht in die Ukraine eindringen würden. Die Situation bleibe «gefährlich», sagte Hagel der Mitteilung zufolge, und drängte auf einen «verantwortungsvollen Weg nach vorn». Die frühere Sowjetrepublik habe das Recht, innerhalb seiner Landesgrenzen Recht und Ordnung herzustellen, sagte Hagel.

Anzeige

Bitte um Hilfe

Zudem bat er seinen russischen Amtskollegen um Unterstützung bei der Freilassung des festgehaltenen Teams von OSZE-Militärbeobachtern. Beide Minister erkannten die Notwendigkeit für «fortlaufende Gespräche» in der Krise um das osteuropäische Land. Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte die Freilassung der OSZE- Beobachter, «unverzüglich, unverletzt und ohne Bedingungen».

Die EU und die USA machten ihre Drohungen wahr und verhängten neue Sanktionen gegen russische Regierungsmitglieder, Unternehmen und Manager. Prominente Namen auf der US-Liste sind etwa Vizeregierungschef Dmitri Kosak und der Chef des staatlichen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin.

Russlands Vizeaussenminister Sergej Rjabkow sprach nach Angaben der Agentur Interfax von einem «Realitätsverlust» der USA. Der Sanktionstext verkenne vollständig die Vorgänge in der Ukraine. Der Minister kündigte Gegenmassnahmen an.

Der ukrainische Übergangsministerpräsident Arseni Jazenjuk hofft indes auf eine Reaktion Russlands auf die neuen Sanktionen. Nur, wenn die internationale Gemeinschaft gemeinsam handle, könne Moskau dazu gebracht werden, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und internationale Gesetze zu achten. «Das ist unsere einzige Chance. Die einzige Chance für mein Land und meine Regierung zu überleben», sagte Jazenjuk im Interview der Deutschen Welle.

Zunächst blieb unklar, wer auf die ergänzte EU-Sanktionsliste gesetzt wurde. Diese wird aller Voraussicht nach erst am Dienstagvormittag im EU-Amtsblatt veröffentlicht, wie es in Brüssel hiess.

(sda/chb)