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Russland-China: Gasdeal kann Europas Preise treiben

Wladimir Putin und Chinas Präsident Xi Jinping: Der Deal ist unterschrieben.   Keystone

Die russische Gazprom wird jährlich Milliarden Kubikmeter Gas an China liefern. Der Konzern spricht von einem epochalen Ereignis. Doch das Abkommen wird Folgen für Europa haben.

Veröffentlicht am 23.05.2014

Russlands milliardenschwerer Gaspakt mit China bleibt wohl nicht ohne Folgen für Europa. «Man kann davon ausgehen, dass sich die Unterzeichnung des Vertrags auf den Gaspreis im europäischen Markt auswirken wird», sagte Gazprom-Chef Alexej Miller am Freitag. Details nannte er nicht. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, das Geschäft mit China werde sein Land letztlich in die Lage versetzen, als Produzent zwischen Asien und Europa pendeln zu können.

Mitten im Ukraine-Konflikt mit dem Westen sicherte sich Russland in China am Mittwoch einen neuen Absatzmarkt für sein Erdgas. Ab 2018 liefert Gazprom bis zu 38 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr in die Volksrepublik. Das Volumen des Geschäfts wird auf 400 Milliarden Dollar geschätzt. Bislang erzielt Gazprom rund 80 Prozent seines Umsatzes in Europa. Die Nachfrage stagniert allerdings und die Gewinne gehen zurück.

Historisches und epochales Ereignis

Miller bezeichnete das nach jahrelangen Verhandlungen geschlossene Abkommen mit der Volksrepublik als historisches und epochales Ereignis. «Wir, Russland und Gazprom, haben den asiatischen Gasmarkt für uns entdeckt.» Das Geschäft werde sich auch bei Flüssiggasprojekten in Ost-Afrika, Australien und West-Kanada bemerkbar machen. «Das ist der Vertrag, der den gesamten Gasmarkt beeinflussen wird.»

Putin und der Vorsitzende des russischen Staatskonzerns äusserten sich auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Zahlreiche Firmenlenker, darunter auch Deutsche, blieben diesem fern, nachdem unter anderem die USA im Zuge der Ukraine-Krise eine Teilnahme westlicher Wirtschaftsvertreter an der Veranstaltung als unangemessen bezeichnet hatten. Der Westen wirft Russland vor, es wolle die Ukraine destabilisieren und Teile des Landes annektieren, was die Regierung in Moskau zurückweist.

Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens

Allerdings schickten viele Unternehmen Vertreter ihrer Chefs nach St. Petersburg. Dabei wurden am Rande auch mehrere Verträge geschlossen. Der französische Konzern Total einigte sich mit Russlands zweitgrösstem Öl-Produzenten Lukoil auf die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens. Ziel ist es, in Sibirien die riesigen Ölvorkommen in dichten Gesteinen anzuzapfen. Nach Angaben von Lukoil-Chef Wagit Alekperow geht es um die Entwicklung von Feldern, in denen rund 500 Millionen Barrel dieses Öls vorhanden seien.

(reuters/dbe/sim)

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