Russland hat für den Fall weiterer EU-Sanktionen Gegenmassnahmen angedroht. «Wenn sie (die Sanktionen) umgesetzt werden, wird es natürlich eine Reaktion von unserer Seite geben», erklärte das Aussenssministerium in Moskau am Samstag.

Die EU-Botschafter hatten sich am Freitag auf eine Verschärfung der Sanktionen gegenüber Russland verständigt. In Kraft treten sollen sie allerdings erst zu Beginn der Woche. Die EU erklärt zudem, die zusätzlichen Strafmassnahmen könnten ausgesetzt werden, wenn Russland seine Soldaten aus der Ostukraine abziehe und die neu vereinbarte Waffenruhe zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungseinheiten eingehalten werde.

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Grosses Misstrauen und verhärtete Fronten

Diese hat zumindest am Samstag zunächst weitgehend gehalten. Vereinzelte Schüsse und die grosse Skepsis der Bevölkerung zeigten aber, wie gross das Misstrauen und wie verhärtet die Fronten sind. Unklar blieb zunächst, ob und wann es zu dem vereinbarten Austausch von Kriegsgefangenen kommt.

«Im Moment sieht alles gut aus», sagte ein unter dem Spitznamen Montana bekannter Rebellenkommandeur. Er schränkte zugleich ein: «Wir wissen aber, dass sie (die ukrainische Seite) das nur ausnutzen, um mehr Truppen und Munition heranzubringen, um uns mit neuer Kraft zu schlagen.»

«Ich würde (dem ukrainischen Präsidenten Petro) Poroschenko nicht trauen«, fügte er hinzu. In Kiew sagte ein Sprecher des Sicherheitsrates, die Regierungstruppen unterstützten die Waffenruhe und befolgten streng die Befehle des Oberbefehlshabers.

Poroschenko und Putin: Weitere Schritte nötig

Poroschenko telefonierte nach Angaben seines Büros mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin. Beide Politiker hätten festgestellt, dass der Waffenstillstand halte. Es seien aber weitere Massnahmen nötig, um ihn dauerhaft zu machen. Sie hätten die grosse Bedeutung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für die Überwachung der Waffenruhe hervorgehoben.

Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier warnte vor übertriebenen Erwartungen. Die vereinbarte Feuerpause sei «allenfalls ein Anfang vom Ende der Krise», sagte er der «Bild«-Zeitung. Ob die Waffen dauerhaft schweigen, hänge weiter vom Willen der Regierungen in Moskau und Kiew ab, die grossen offenen Fragen politisch zu lösen.

«Dieser Krieg wird fünf bis neun Jahre weitergehen»

Eine Einwohnerin von Donezk äusserte ihre Skepsis mit den Worten: «Ich weiss nicht, von was für einem Waffenstillstand wir reden, wenn es immer noch Schüsse gibt. Das ist kein Waffenstillstand, das ist nur Theater. Dieser Krieg wird fünf bis neun Jahre weitergehen. Slawen kämpfen gegen Slawen, es kann nichts Schlimmeres geben.»

Ruhig war es auch in der Umgebung des Hafens von Mariupol am Asowschen Meer, der noch am Freitag heftig umkämpft war. «Viele meiner Männer haben seit Tagen erstmals wieder geschlafen», sagte ein ukrainischer Offizier.

Der Austausch von Kriegsgefangenen sollte am Wochenende beginnen. Der selbst ernannte Ministerpräsident der von den Rebellen ausgerufenen «Volksrepublik Donezk», Alexander Sachartschenko, sagte, seine Kämpfer würden ihre Gefangenen am Samstag übergeben. Russische Agenturen zitierten ihn mit den Worten: «Wir hoffen, dass die Ukraine am Montag ihre Kriegsgefangenen übergibt.»

(Reuters/me)