Nach dem Hausarrest für den russischen Milliardär Wladimir Jewtuschenkow geht die Justiz nun auch gegen seinen Mischkonzern Sistema vor. Ein Moskauer Gericht ordnete an, Aktien des Ölunternehmens Bashneft zu beschlagnahmen, die in Besitz der Konzernmutter Sistema sind, wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte. An der Börse in der russischen Hauptstadt löste die Nachricht einen Kurssturz aus. Sistema-Aktien brachen um zehn, Bashneft-Papiere um sechs Prozent ein. Auch die Landeswährung Rubel, die bereits seit Monaten im Sog der Ukraine-Krise unter Druck steht, musste Federn lassen.

«Der Fall Jewtuschenkow wird am Aktienmarkt weiter für miese Stimmung sorgen», meint Analystin Anastasia Sosnowa von der Rossiysky Kapital Bank. Die politischen Hintergründe in dieser Affäre wirkten als Stimmungsbremse für die Investoren. Zuletzt wurde spekuliert, dass der staatliche Ölkonzern Rosneft Interesse an dem aufstrebenden Rivalen Bashneft haben könnte. Rosneft-Chef Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin.

Sistema und Bashneft abgestürzt

Die Bashneft-Aktien haben mit Beginn des juristischen Vorgehens seit Juli etwa die Hälfte ihres Wertes verloren. Sistema hatte vor fünf Jahren Bashneft übernommen und besitzt rund 80 Prozent der Anteile. Die Ermittler haben nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass Jewtuschenkow im Zuge des Geschäfts an illegalen Machenschaften beteiligt war.

Anzeige

Der Unternehmer steht deswegen unter Hausarrest, eine Agenturmeldung über eine Freilassung erwies sich jüngst als falsch. Sistema weist die Anschuldigungen gegen Jewtuschenkow als grundlos zurück. Ein einflussreicher Unternehmerverband hatte den Hausarrest überdies als politisch motiviert bezeichnet und mit dem Fall des Regierungskritikers und früheren Chefs des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, verglichen. Er wurde unter anderem wegen Steuerbetrugs angeklagt und sass jahrelang in Haft.

Seine Festnahme hatte das Vertrauen internationaler Anleger in Russland untergraben. Einen Grossteil von Yukos hatte sich der Rivale Rosneft ROSN.MM einverleibt, der unter anderem dank dieses Manövers inzwischen zum weltgrössten börsennotierten Ölkonzern aufstieg.

(reuters/gku)