Die Wirtschaftskrise in der Ukraine ist nach Prognose der Weltbank schwerer als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr voraussichtlich um acht Prozent einbrechen, sagte der Weltbank-Vertreter in der Ukraine, Qimiao Fan, am Donnerstag in Kiew. Bislang war nur von einem Minus von fünf Prozent die Rede. «Die Unterbrechung der wirtschaftlichen Tätigkeit im Osten führt zu einem stärkeren Rückgang des Bruttoinlandsproduktes», begründete Fan.

In der Ostukraine kämpft die Armee gegen Separatisten, die einen Anschluss an Russland wollen. Aber auch Russland spürt die Folgen der Krise – oder besser: die Folgen der Sanktionen des Westens. Am Mittwoch hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für Russland drastisch gesenkt. Die russische Wirtschaft werde 2015 voraussichtlich nur um 0,5 Prozent zulegen.

Putin räumt Schäden ein

Der Russische Präsident Wladimir Putin hat Schäden in der russischen Wirtschaft durch westliche Sanktionen in der Ukraine-Krise eingeräumt. Mehrere Branchen und Unternehmen seien durch «ungerechtfertigte Strafmassnahmen» der EU und USA stark unter Druck geraten, sagte er.

Der Staat werde hier aber Unterstützung leisten. Putin warf einigen russischen Firmen vor, den Importstopp für westliche Lebensmittel für Preiserhöhungen zu missbrauchen. «Das treibt die Inflationsrate auf etwa acht Prozent, nach 6,5 Prozent im Vorjahr», sagte er am Donnerstag bei einem Wirtschaftsforum in Moskau. Putin rief die Kontrollbehörden auf, kompromisslos gegen Wucher bei Nahrungsmitteln vorzugehen.

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Unternehmen investieren trotz Sanktionen

Die Sanktionen seien ein grober Verstoss gegen die Grundprinzipien des Handels und hätten negative Folgen für die Weltwirtschaft, meinte der russische Präsident. Ungeachtet der Strafmassnahmen würden aber internationale Unternehmen weiterhin in Russland investieren.

Putin bekräftigte, dass Moskau trotz des Kursverfalls beim Rubel keine Beschränkungen für Kapitalbewegungen plane. Allerdings wolle sein Land die Abhängigkeit vom Dollar vermindern. Im Handel mit anderen Ländern soll künftig in den örtlichen Währungen bezahlt werden.

Chinesische Firmen als Profiteure

Profitieren vom Bruch Europas mit Russland könnten chinesische Firmen. Chinas Botschafter in Deutschland betonte das Streben Chinas nach einer engen Zusammenarbeit mit Russland. «Wir sind interessiert an sehr starken wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland, gerade auch in der Zusammenarbeit bei Rohstoffen.»

Zugleich deutete er an, dass chinesische Firmen die Lücken füllen könnten, die deutsche Unternehmen wegen der Sanktionen im Russland-Geschäft liessen. «Wir empfinden keine Schadenfreude bei diesem Thema. Aber wenn sich Chancen ergeben, warum sollen sie ungenutzt bleiben? Das ist selbstverständlich», betonte der Botschafter. Schliesslich habe nicht China für eine Eskalation des Konflikts gesorgt.

(reuters/ise)