Frankreichs Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy will bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr den Elysée-Palast zurückerobern. «Ich habe mich entschlossen, bei der Präsidentschaftswahl 2017 zu kandidieren», schreibt der konservative Politiker in einem Buch. Dieses soll nach Angaben aus seinem Umfeld am Mittwoch erscheinen. Sarkozy selbst veröffentlichte auf Twitter das Cover des Buches mit dem Titel «Tout pour la France» (Alles für Frankreich).

«Frankreich verlangt, dass man alles für es tut», heisst es in dem Buch. «Ich habe gespürt, dass ich die Kraft habe, diesen Kampf zu einem so stürmischen Zeitpunkt unserer Geschichte zu führen.» Sarkozy, der bereits zwischen 2007 und 2012 an der Staatsspitze stand, wird sich zunächst im November Vorwahlen des konservativ-bürgerlichen Lagers stellen müssen. Die Präsidentschaftswahl findet dann im April und Mai 2017 statt.

Montebourg tritt ebenfalls an

Am Sonntag hatte bereits der frühere sozialistische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg eine Kandidatur angekündigt. «Ich kandidiere für die Präsidentschaft der französischen Republik», sagte Montebourg unter dem Jubel von mehr als tausend Anhängern. «Ich trete als Kandidat einer Mehrheit der Franzosen an, weil es mir ebenso wie Millionen Franzosen unmöglich ist, den derzeitigen Staatspräsidenten zu unterstützen.»

Hollandes Politik sei «gescheitert», die Bilanz des Präsidenten «nicht vertretbar», kritisierte Montebourg. Der 53-Jährige ist einer der bekanntesten Vertreter des linken Sozialistenflügels. Als Wirtschaftsminister setzte er auf staatliche Eingriffe, um den Industriestandort Frankreich zu stärken, und warb unablässig für das «Made in France». Vor zwei Jahren flog Montebourg dann aus der Regierung: Der für provokante Äusserungen bekannte Minister hatte zuvor offen Hollandes Spar- und Reformpolitik kritisiert und einen Konfrontationskurs gegen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel gefordert.

Nicht weiter sparen

Als Montebourgs Nachfolger im Wirtschaftsministerium ernannte Hollande damals seinen parteilosen Ex-Berater Emmanuel Macron, der als ausgesprochen unternehmerfreundlich gilt. Auch dieser hat inzwischen Ambitionen auf das Präsidentenamt angedeutet, eine Kandidatur aber bislang nicht verkündet.

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Montebourg kündigte am Sonntag in seiner Rede eine Politik an, die sozialistisch sei, «aber nicht nur». Es gehe um «ein linkes Projekt, ein Projekt, das in der Realität verankert ist». Montebourg stellte Vorschläge für ein Ende der Sparpolitik und einen Neustart der Wirtschaft sowie für Massnahmen im Kampf gegen den Terrorismus vor.

Sanktionen der EU riskieren

Zugleich machte er deutlich, sich wenig um Vorgaben aus Brüssel zu scheren: So sollten öffentliche Aufträge künftig zu 80 Prozent an französische Unternehmen vergeben werden – was im Widerspruch zum offenen Wettbewerb in der EU steht. «Wir werden die Sanktionen akzeptieren», sagte Montebourg. Von den Franzosen wolle er ein «Mandat», um sich über die EU-Verträge hinwegzusetzen.

Montebourg ist nicht der einzige Sozialist, der Hollande herausfordert: Der frühere Bildungsminister Benoît Hamon, ebenfalls ein Vertreter des linken Parteiflügels, hatte vor einer Woche seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Sozialisten verkündet.

(sda/mbü/cfr)