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Todesstrafe
Saudis richten 47 Menschen hin

Saudi-Arabien: Die sunnitischen Herrscher in Riad töteten einen hohen schiitischen Geistlichen. Keystone

Saudi-Arabien hat 47 Personen wegen angeblicher Terrordelikte hingerichtet. Die Sunniten haben auch einen prominenten schiitischen Geistlichen getötet. Die Todesurteile schnellen in die Höhe.

Veröffentlicht am 02.01.2016

Saudi-Arabien hat 47 Menschen wegen Terrordelikten hingerichtet. Unter anderem wurde der prominente schiitische Geistliche Scheich Nimr Baker al-Nimr getötet, wie das Innenministerium mitteilte.

Al-Nimr hatte zu den Anführern der Schiiten-Proteste im Osten des Königreichs gehört, die im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 ausgebrochen waren. Al-Nimr war ein entschiedener Gegner des sunnitischen Königshauses in Riad. Er hatte während der Proteste 2011 die Abspaltung der mehrheitlich schiitischen Regionen Katif und Al-Ihsaa im Osten des Landes befürwortet.

Warnung Irans in Wind geschlagen

Vor einem Jahr wurde er wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt. Ende Oktober wurde das Todesurteil vom Obersten Gerichtshof Saudi-Arabiens bestätigt.

Der Iran warnte Riad daraufhin vor der Hinrichtung al-Nimrs. Sollte das Todesurteil gegen den Geistlichen vollstreckt werden, werde Saudi-Arabien einen «hohen Preis zahlen», sagte der iranische Vize-Aussenminister Hossein Amir Abdollahian.

Zahl der Hinrichtungen stark gestiegen

Die meisten der rund zwei Millionen saudi-arabischen Schiiten leben im Osten des Landes. Die schiitische Minderheit klagt seit langem über religiöse und soziale Diskriminierung durch das wahhabitische Herrscherhaus.

Das ultrakonservative Königreich richtete im vergangenen Jahr laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP 153 Menschen hin. Laut Menschenrechtlern waren 2015 so viel Todesurteile vollstreckt worden wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Proteste in Bahrain und Iran

Nach der Hinrichtung eines führenden schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien ist es im Golfstaat Bahrain zu Protesten gekommen. Dabei feuerte die Polizei in dem Ort Abu-Saiba westlich der Hauptstadt Manama Augenzeugen zufolge Tränengas auf Dutzende Demonstranten ab. Die aufgebrachte Menge hielt Bilder des getöteten Geistlichen Nimr al-Nimr in die Höhe. Schiiten-Vertreter hatten zu Protesten in dem von Sunniten regierten Königreich aufgerufen.

Auch in anderen Ländern in der Region sorgte die Hinrichtung für Wut und Empörung. Der schiitisch dominierte Iran warf Saudi-Arabien vor, Terroristen und sunnitische Extremisten zu unterstützen. Eine Gruppe von Iranern hat in der Nacht zum Sonntag die saudi-arabische Botschaft in Teheran gestürmt.

EU: «Gefährliche Konsquenzen»

Die EU-Aussenbeauftragte, Federica Mogherini, hat vor den «gefährlichen Konsequenzen» der Hinrichtung eines prominenten schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien gewarnt. Die Spannungen zwischen den Religionsgruppen im Nahen Osten könnten weiter angeheizt werden, erklärte Mogherini. Mogherini bekräftigte die ablehnende Haltung der Europäischen Union zur Todesstrafe generell und erklärte, Nimrs Hinrichtung wecke ernste Bedenken hinsichtlich der Meinungsfreiheit und der Respektierung bürgerlicher und politischer Grundrechte in Saudi-Arabien. Sie forderte die Regierung auf, zur Versöhnung zwischen den verschiedenen Gruppen des Landes beizutragen. Auch die Bundsregierung in Berlin zeigt sich beunruhigt. Die Exekution Nimrs «verstärkt unsere bestehenden Sorgen über zunehmende Spannungen und sich vertiefende Gräben in der Region», hiess es im Auswärtigen Amt.

USA: «Bemühungen verdoppeln»

Die USA haben sich besorgt geäussert, dass die Hinrichtung eines prominenten schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien die religiösen Spannungen in der arabischen Welt weiter verschärfen könnte. Die Staats- und Regierungschefs der Region müssten «ihre Bemühungen verdoppeln», um zu einer Deeskalation der Lage beizutragen, sagte ein Sprecher des US-Aussenministeriums. Saudi-Arabien müsse sich an die Menschenrechte halten und in jedem Fall faire und transparente Gerichtsverfahren gewährleisten, fügte er hinzu.

(sda/reuters/chb)

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