Schäuble sagte der Bild-Zeitung, solche vom Zufall abhängigen Käufe könnten «immer nur eine Behelfskrücke» sein. Das Steuerabkommen mit der Schweiz biete dagegen einen umfassenden Ansatz: «Wir streben eine haltbare, belastbare und langfristige Lösung des Problems der unzureichenden Versteuerung deutscher Steuerpflichtiger mit Anlagen in der Schweiz an.»

Der Sprecher Schäubles, Martin Kotthaus, sagte vor Journalisten nur: «Wir haben davon gehört.» Er verwies auf Nordrhein-Westfalen (NRW), das Daten einer Schweizer Bank erworben haben soll. Nach dem Steuerabkommen würde Deutschland sich «nicht mehr aktiv um den Kauf von CDs bemühen». Dabei bleibe ein Interpretationsspielraum.

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Es sei aber «schwer vorstellbar», dass nach dem Inkrafttreten des Abkommens der Erwerb solcher Daten noch Sinn mache. Es sei «richtiger, sachgerechter und hilfreicher» in einem systematischen Ansatz Regeln für die Vergangenheit und Zukunft zu schaffen, sagte Schäubles Sprecher. Diese Ziele würden mit dem Steuerabkommen realisiert.

SPD bleibt bei Anti-Position

NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans von der SPD bekräftigte hingegen in der Bild-Zeitung, dass das Abkommen «so nicht zustimmungsfähig» sei. Es biete Steuerhinterziehern «weiter scheunentorgrosse Schlupflöcher».

Der Fraktionschef der SPD im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, stellte in Frage, ob eine Strafbefreiung für Steuersünder, wie sie das Abkommen vorsehe, überhaupt noch in Betracht kommen könne.

SPD-Fraktionsvize Joachim Poss verteidigte Ankäufe von Steuer-CDs als wichtiges Instrument im Kampf gegen Steuerhinterziehung. Poss nannte zwei Bedingungen für eine Zustimmung seiner Parteikollegen im Bundesrat zum Steuerabkommen mit der Schweiz.

Zum einen müsse die Zahl der möglichen Nachfragen von deutschen Steuerbehörden in der Schweiz deutlich erhöht werden, die bisher vorgesehene Anzahl von maximal 1300 Anfragen innerhalb von zwei Jahren sei viel zu niedrig, sagte Poss gegenüber der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Zweitens müsse es für deutsche Steuerbehörden weiterhin möglich sein, Datensätze über Steuerkriminelle anzukaufen.

Der ebenfalls zur SPD gehörende rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl forderte einen höheren Steuersatz als bislang im Abkommen vorgesehen für Schwarzgeld in der Schweiz. Auch müsse verhindert werden, dass Steuerhinterzieher ihr Geld in ein anderes Land bringen könnten.

Auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nannte das Abkommen unzureichend. Es legalisiere «das Unrecht der staatlich geschützten Schweizer Geldwäsche» und schütze Steuerstraftäter.

Offenbar Kauf einer weiteren CD

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge zahlte NRW 3,5 Millionen Euro für eine CD mit Namen und Kontenverbindungen von etwa 1000 Deutschen, die Kunden des Zürcher Ablegers der Privatbank Coutts sein sollen, einer Tochter der britischen Royal Bank of Scotland. Laut dem Magazin Spiegel prüft das Land zudem den Kauf von zwei weiteren Bankdaten-CDs.

Deutschland und die Schweiz hatten im September vergangenen Jahres nach zähen Verhandlungen ein Abkommen unterzeichnet, dass den langwierigen Streit über deutsche Vermögen, die am deutschen Fiskus vorbei in die Schweiz geschleust wurden, ein für allemal beenden soll.

Es sieht für Altvermögen deutscher Steuerbürger eine anonyme und pauschale Nachversteuerung je nach Einzelfall von 21 bis 41 Prozent vor. Künftige Kapitalerträge und -gewinne sollen wie in Deutschland mit rund 26 Prozent belastet werden.

Das Abkommen bedarf der Zustimmung des Bundesrates, der deutschen Länderkammer. Dort gilt es aber bei den SPD- und Grünen-geführten Ländern als nicht zustimmungsfähig.

(laf/aho/sda)