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Spannungen
Scharfe Reaktionen auf Nordkoreas Raketentest

Die Flugbahn der Rakete: Japan fühlt sich von den Tests zunehmend provoziert. Keystone

Nordkorea hat am Freitag eine weitere Rakete über Japan hinweg abgefeuert. Japan, die USA und Südkorea reagieren empört. China weist die amerikanische Forderung nach neuen Massnahmen indes zurück.

Veröffentlicht am 15.09.2017

Allen Warnungen zum Trotz hat Nordkorea am Freitag eine Mittelstreckenrakete abgefeuert und unter Beweis gestellt, dass es mit seinen Waffen den US-Stützpunkt Guam im Pazifik erreichen könnte. Die Rakete, die weiter flog als alle bisher gezündeten Geschosse, flog über den Norden Japans hinweg und stürzte nach Angaben Tokios in den Pazifik.

Die Rakete flog nach Angaben des südkoreanischen Militärs nach dem Start nahe der Hauptstadt Pjöngjang 3700 Kilometer weit - die bisher grösste Flugdistanz beim Test einer militärischen Rakete des Landes.

António Guterres ruft zu Dialog auf

Alle Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats verurteilten den Raketentest am Freitag. UNO-Generalsekretär António Guterres rief die nordkoreanische Führung auf, sich an die UNO-Resolutionen zu halten und zu ehrlichem Dialog über nukleare Abrüstung zurückzukehren. UNO-Resolutionen verbieten Nordkorea sowohl Atomwaffenversuche als auch Tests von ballistischen Raketen.

Zugleich kündigte sein Sprecher am Freitag an, Guterres wolle am Rande der Generaldebatte der UNO-Vollversammlung kommende Woche mit allen betroffenen Seiten über den Konflikt mit Pjöngjang beraten.

«Bedrohung für den Weltfrieden»

Der UNO-Sicherheitsrat wollte sich nach Angaben der Vereinten Nationen in New York noch am Freitag (21.00 Uhr MESZ) in einer Dringlichkeitssitzung über den neuen Waffentest beraten.

Japans Regierungschef Abe erklärte, wenn Nordkorea so weitermache, werde es «keine schöne Zukunft» haben. Japan werde eine solche Provokation nicht hinnehmen, «die eine Bedrohung für den Weltfrieden ist».

Der Experte Yang Moo Jin von der Universität für Nordkorea-Studien in Seoul wertete den Raketenabschuss als Antwort auf die erst Anfang der Woche verschärften UNO-Sanktionen gegen Pjöngjang: «Der Norden sendet die Botschaft: ‹Wir beugen uns keinen Sanktionen und unsere Warnungen sind keine leeren Drohungen›.»

Empörung in Washington

Die USA und Südkorea reagierten empört und warfen der Führung in Pjöngjang eine erneute Provokation und Bedrohung der Nachbarländer vor. «Das ist das zweite Mal innert weniger Wochen, dass mit Japan ein Vertragspartner der USA direkt bedroht wurde», hiess es in einer Mitteilung von US-Aussenminister Rex Tillerson. «Diese fortgesetzten Provokationen führen dazu, dass Nordkoreas diplomatische und wirtschaftliche Isolation nur noch vertieft wird.»

Auch China und Russland verurteilten Nordkorea für den neuen Raketentest. Während Peking alle Parteien zur Zurückhaltung aufrief, warnte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau, dies führe zu einer weiteren Eskalation. Aussenamtssprecherin Maria Sacharowa warf den USA eine aggressive Rhetorik im Nordkorea-Konflikt vor.

China weist Forderungen zurück

Tillerson forderte China und Russland auf, ihrerseits Massnahmen zu ergreifen. «China liefert Nordkorea den grössten Teil ihres Öls», schrieb Tillerson, und Russland sei der grösste Arbeitgeber für nordkoreanische Zwangsarbeiter.

China wies die US-Forderung nach einem strikteren Vorgehen zurück. Der Kern des Problems sei der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA. Nicht China sei das Land, das für eine Verschärfung der Spannungen sorge, sagte die Sprecherin des Aussenministeriums in Peking, Hua Chunying. China habe «enorme Opfer» in Kauf genommen, indem es die jüngsten UNO-Sanktionen mitgetragen habe.

Auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mahnte eine geschlossene Antwort der Weltgemeinschaft auf den Test an. Dieser sei ein weiterer rücksichtsloser Bruch von UNO-Resolutionen und eine grosse Bedrohung für den internationale Frieden und die Sicherheit, erklärte er auf Twitter.

Anleger ziemlich unbeeindruckt

Erst am Montag hatte der UNO-Sicherheitsrat den sechsten und bisher grössten Atomtest Nordkoreas vom 3. September mit neuen Sanktionen bestraft, ohne dass diese jedoch ein von den USA ursprünglich gefordertes Ölembargo umfassen.

Die neue UNO-Resolution sieht eine Deckelung von Öllieferungen an das Land und den Verbot von Textilexporten vor. Pjöngjang erklärte, den Sanktionsbeschluss kategorisch abzulehnen und von seinen Waffenprogrammen nicht abrücken zu wollen.

An den asiatischen Aktienmärkten fielen die Reaktionen auf den Raketentest verhalten aus. Die Börsen liessen bis auf Tokio nur leicht Federn. Der Dollar zuckte zunächst, stabilisierte sich dann aber zum japanischen Yen.

(sda/gku)

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