Er erwarte keine Geschenke. Aber: «Respekt und ein konstruktiver Dialog sind gefragt», sagte Schneider-Ammann in einem Interview mit der Zeitung «Zentralschweiz am Sonntag». «Die Schweiz hat angeboten, zu korrigieren und im Rahmen vereinbarter Abmachungen zu kooperieren. Und damit muss das ständige Drohen ein Ende haben», forderte der Volkswirtschaftsminister.

Zum Wahlausgang in den USA sagte Schneider-Ammann: «Langfristig wäre mir eine liberale Haltung der Republikaner natürlich lieber gewesen.» Aber auch mit einem republikanischen Präsidenten hätte sich nach Einschätzung Schneider-Ammanns «nicht sehr viel geändert», es wäre aber «vor allem Zeit verloren gegangen».

Blockade überwinden

Der Finanzplatz sei auf rasche Klärungen angewiesen: «Die Situation war in der letzten Zeit blockiert. Das muss sich nun ändern.» Es würde ihn freuen, wenn Obama auch persönlich den Weg in die Schweiz finden würde.

In der Schweiz seien die Diskussionen über die Finanzplatzstrategie «intensiv, konstruktiv und gut». Eine Finanzmarktstrategie lasse sich aber nicht aus dem Hut zaubern, sagte Schneider-Ammann angesprochen auf den kolportierten Streit unter Banken und im Bundesrat.

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Schneider-Ammanns Ziel ist ein «höchst glaubwürdiger, höchst effizienter und höchst leistungsfähiger» Finanzplatz. «Die Qualität der Dienstleistung gehört wieder in den Vordergrund.» Über diesen Weg könnten mit der Zeit auf wieder Arbeitsplätze aufgebaut werden.

Keine generelle Entlassungswelle

«In der Zwischenzeit sind einzelne Restrukturierungen nicht zu vermeiden», sagte Schneider-Ammann in der «Zentralschweiz am Sonntag» zu der jüngsten Reihe an Massenentlassungen bei Schweizer Banken.

Insgesamt sieht Schneider-Ammann die Schweizer Wirtschaft in einer vergleichsweise guten Lage. Die Binnenwirtschaft laufe erfreulich. Und auch die Exportwirtschaft sei dank ihrer Wettbewerbsfähigkeit und dem Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken erstaunlich robust. Eine Entlassungswelle sei nicht im Gang.

Hingegen dürfte die Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr von zuletzt 2,9 auf rund 3,5 Prozent steigen. Dennoch besteht für Schneider-Ammann für die kommende Wintersession kein Anlass, ein Konjunkturprogramm zur Stützung der Wirtschaft vorzubereiten.

(tke/sda)