Bei einer Schiesserei in einem Kommandozentrum der US-Marine in der Hauptstadt Washington sind mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. Mehrere weitere wurden verletzt. Das Motiv für die Bluttat ist noch unklar.

Ein Verdächtiger sei bei der Schiesserei im sogenannten Navy Yard getötet worden, sagte Polizeichefin Cathy Lanier. Nach zwei möglichen Komplizen in Militäruniform wurde auch Stunden nach der Tat noch gesucht.

Später wurde einer der beiden Verdächtigen entlastet, nach denen gefahndet wurde. Der gesuchte weisse Mann sei identifiziert worden und nicht verdächtig, teilte die Polizei mit. Nach dem zweiten Verdächtigen, einem uniformierten schwarzen Mann zwischen 40 und 50 Jahren, wurde weiterhin gesucht.

Das Motiv für den Mord sei unklar, sagte Bürgermeister Vincent Gray. Die Bundespolizei FBI und die Strafverfolgungsbehörde der Navy, NCIS, übernahmen die Ermittlungen. Präsident Barack Obama forderte eine nahtlose Aufklärung.

Die Schiesserei ereignete sich am Morgen in dem schwer bewachten Gebäude 197 auf dem Marine-Areal. In dem Kommandokomplex arbeiten rund 3000 Menschen.

Anzeige

Mit Sturmgewehr und anderen Waffen ausgerüstet

Über die Identität des getöteten Verdächtigen wurden von offizieller Seite zunächst keine Angaben gemacht. Der TV-Sender NBC meldete mit Berufung auf Behördenangaben, es handle sich um einen 34-Jährigen aus dem Bundesstaat Texas. Er habe kürzlich begonnen, als externer Mitarbeiter in dem Navy Yard zu arbeiten. Er sei mit einem Sturmgewehr und anderen Waffen ausgerüstet gewesen.

Die Gegend, in der sich auch viele Wohnhäuser, Geschäfte und ein Baseball-Stadion befinden, wurde weiträumig abgesperrt. Mehrere umliegende Schulen wurden von der Polizei unter besonderen Schutz genommen.

Der Flughafen der Stadt setzte den Flugverkehr vorübergehend aus, nahm ihn aber später wieder auf. Helikopter kreisten über dem betroffenen Gelände. Für den zwei Kilometer entfernten Kongress sowie das Pentagon galt eine erhöhte Sicherheitsstufe. Der Senat sagte seine Nachmittagssitzungen ab.

Sicherheitsstufe erhöht

Obama und Verteidigungsminister Chuck Hagel wurden laufend über die Lage unterrichtet. «Jeder hier im Verteidigungsministerium ist traurig über den Vorfall», sagte Pentagon-Sprecher George Little. Es gebe keine spezifische Bedrohung anderer Militäreinrichtungen. Dennoch sei die Sicherheitsstufe «als Vorsichtsmassnahme» erhöht worden.

Der Präsident beklagte, dass in den USA erneut Menschen bei einer Massenschiesserei getötet wurden. «Es war eine Schiesserei, die auf unser Militär- und Zivilpersonal abzielte», sagte er. «Sie sind Patrioten, und sie kennen die Gefahr, in Übersee zu dienen, aber heute trat ihnen die unglaubliche Gewalt entgegen, die sie hier zu Hause nicht erwartet hätten», sagte Obama. Es werde alles getan, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Anzeige

Der Navy Yard ist eine mehr als zwei Jahrhunderte alte Küstenanlage der Marine am Anacostia River. Sie diente einst als Waffenfabrik und Werft. Heute beherbergt das Gelände verschiedene Kommando- und Verwaltungsstellen, darunter das Büro des Admiralstabschef der Navy und ein Militärgericht. Das Areal befindet sich etwa zwei Kilometer südöstlich des Kapitols und wird umgeben von einem Wohngebiet und einem Baseballstadion.

Erinnerungen an Fort Hood

In den USA weckte der Vorfall Erinnerungen an den Amoklauf auf dem US-Militärstützpunkt Fort Hood in Texas. Dort erschoss im November 2009 der muslimische US-Militärpsychiater Nidal Hasan 13 Menschen, viele weitere wurden verletzt. Der 43-Jährige wurde dafür im vergangenen Monat von einer Militärjury zum Tode verurteilt.

Der US-Bürger mit palästinensischen Wurzeln hatte nach eigenen Angaben auf seine Kameraden geschossen, weil diese in Afghanistan in einem «illegalen Krieg» gegen Muslime kämpften.

Anzeige

(sda/chb)