Nach dem Giftgasangriff in Syrien hat US-Präsident Barack Obama eine Entscheidung für eine Militäraktion gegen die Führung in Damaskus getroffen. Die USA sollten eine «Militäraktion gegen Ziele in Syrien» starten, sagte Obama in Washington, ohne einen genauen Zeitpunkt zu nennen. Der Präsident kündigte an, den Kongress um Zustimmung für einen Militäreinsatz zu bitten.

«Können nicht Augen verschliessen»

Eine militärische Aktion wäre in ihrem Umfang begrenzt. Die USA stünden jederzeit für einen Angriff bereit. «Wir können nicht die Augen davor verschliessen, was in Damaskus passiert ist», fügte er hinzu.

In Syrien bereitet sich die Bevölkerung auf einen Militärschlag vor. In den Vororten von Damaskus üben Ärzte mit ihren Teams den Ernstfall. Sie versuchen zudem, sich von Hilfsorganisationen geschickte Medikamente und Sauerstoffflaschen zu sichern, um Giftgas-Opfer zu behandeln. «Wir fürchten einen weiteren Chemiewaffen-Angriff als eine Art Rache auf einen Militärschlag des Auslands», sagte Abu Akram, Arzt in einem von Rebellen kontrollierten Vorort der Hauptstadt. Schon seit Tagen decken sich viele Einwohner von Damaskus mit dem Nötigsten ein, weil sie Versorgungsengpässe fürchten, oder sie versuchen, sich an militärisch weniger sensiblen Orten in Sicherheit zu bringen.

Ein Mann in Damaskus versuchte, seine wichtigen persönlichen Dinge wie Pässe oder andere Dokumente in Sicherheit zu bringen. Mit einer prall mit Unterlagen gefüllten Tasche in der Hand sagte er, er wisse nicht, wo er diese verstecken solle. «Im Haus meiner Eltern, bei meinen Schwiegereltern, im Büro? Ich weiss nicht, wo es sicherer ist.»

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Die syrische Bevölkerung lebt seit Monaten in Angst vor Angriffen und Bombenanschlägen. In dem Bürgerkrieg sind bereits mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen. Nach dem mutmasslichen Giftgas-Angriff am 21. August mit mehr als 1400 Toten erwägen die USA nun einen Militärschlag. Ein Zeitplan dafür ist nicht bekannt. Ein Termin nach Abreise von UN-Waffeninspektoren aus Syrien galt als der frühestmögliche.

UN-Inspektoren in den Niederlanden eingetroffen

Die Kontrolleure kamen inzwischen im niederländischen Rotterdam an, wie ein Vertreter des dortigen Flughafens bestätigte. Die Inspekteure würden die von ihnen mitgebrachten Proben an verschiedene Laboratorien zur Untersuchung geben, erklärte die in Den Haag ansässige Organisation zum Verbot chemischer Waffen. Die Experten waren am Morgen von Syrien in den Libanon gereist und flogen von dort mit einer von Deutschland gecharterten Maschine weiter in die Niederlande.

UNO: Kein Syrien-Bericht vor Abschluss der Labor-Untersuchungen

Die UNO wird den Bericht zum Einsatz ihrer Chemiewaffenexperten in Syrien erst vorlegen, wenn die von ihnen gesammelten Proben untersucht sind. Vor Abschluss der Laboruntersuchungen könnten die Vereinten Nationen «keinerlei Schlussfolgerungen» ziehen, sagte UNO-Sprecher Martin Nesirky in New York.

Die UNO werde eine «unparteiische und glaubwürdige» Bewertung dazu abgeben, ob chemische Waffen in Syrien eingesetzt wurden, versicherte er.

Die Proben der UNO-Chemiewaffenexperten werden laut einem Sprecher der in Den Haag ansässigen Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OVCW) nun «in ein halbes Dutzend Labors in der Welt gebracht».

Dabei werde jede Probe geteilt und jeder Teil von einem anderen Labor untersucht, um verlässliche Ergebnisse zu erzielen. Laut OVCW-Sprecher Michael Luhan werden die Untersuchungen «mindestens zwei Wochen» in Anspruch nehmen.

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Die USA erwägen wegen des mutmasslichen Einsatzes von Chemiewaffen in Syrien einen Militäreinsatz. Nach Angaben von US-Aussenminister John Kerry liegen Washington Beweise vor, dass durch den Einsatz von Chemiewaffen durch syrische Regierungstruppen 1429 Menschen getötet wurden, darunter mindestens 426 Kinder.

(sda/reuters/chb)