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Schlecht für Sarkozy: Kein Sieger bei TV-Duell

Das einzige Fernsehduell zwischen Nicolas Sarkozy und François Hollande hat keinen klaren Sieger hervorgebracht. Dies ist schlecht für Amtsinhaber Sarkozy. Er hat weiterhin einen grossen Rückstand auf

Veröffentlicht am 03.05.2012

Frankreichs Medien und Beobachter sahen nach dem fast dreistündigen TV-Duell vom Mittwochabend, das erst kurz vor Mitternacht zu Ende ging, mehrheitlich keinen klaren Sieger.

Sarkozy sei es nicht gelungen, einen entscheidenden Treffer zu landen, sagte der Politikwissenschafter Emmanuel Rivière vom Umfrageinstitut TNS-Sofres. «Hollande bleibt Favorit nach der Debatte», urteilte die Zeitung «Le Monde». Angesichts der Schärfe des Tons der beiden Kandidaten war in den Medien von einem «gnadenlosen Duell» die Rede.

Das Lager von Sarkozy zeigte sich überrascht, wie aggressiv Hollande aufgetreten sei. Auch der Präsident selbst hatte nach der Debatte seinen Konkurrenten als «aggressiv» eingestuft.

Hollande, dem lange vorgehalten worden war, er sei zu schlaff, sagte nach dem Duell, die Franzosen wüssten nun, «wozu ich fähig sein kann». Er warnte aber vor verfrühtem Jubel. «Es ist noch nichts entschieden.»

Le Pen lobt Hollande

Die von etwa 17,8 Millionen Franzosen verfolgte Fernsehdebatte sollte vor allem Wechselwähler mobilisieren. Die Chefin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, zeigte sich am Donnerstag überrascht von Hollande. Er habe viele seiner Kritiker Lügen gestraft. «Er hat seine Rolle ausgefüllt», sagte Le Pen im TV-Nachrichtensender BFM.

Le Pen mit ihren 18 Prozent Wähleranteil aus der ersten Wahlrunde spielt eine wichtige Rolle für Sarkozy. Er hatte ihre Wähler im TV-Duell ausdrücklich angesprochen und um Unterstützung geworben.

Angriffe abwehren

Vor der Stichwahl am Sonntag lag der sozialistische Herausforderer Hollande in Umfragen zuletzt mit rund sieben Prozent Vorsprung relativ deutlich vor Amtsinhaber Sarkozy.

Der Präsident stand entsprechend unter Zugzwang und versuchte, bei der Debatte seinen Kontrahenten zu provozieren und blosszustellen. So warf er Hollande vor, keine Konzepte für die notwendige Sparpolitik zu haben.

Dieser konterte mit Hinweisen auf die aus seiner Sicht miserable Regierungsbilanz Sarkozys und die hohen Arbeitslosenzahlen. Der Sozialist trat sehr entschlossen und offensiv auf. Er konterte Diffamierungsversuche von Sarkozy sofort. Sarkozy unterstellte Hollande mehrmals, Lügen zu verbreiten.

Historische Wahl

Hollande, sagte gleich zu Beginn, er wolle ein Präsident sein, der das Land zusammenführe. Sarkozy verwies in seiner Eingangserklärung auf die historische Dimension der Wahl am Sonntag, angesichts der «vielen Krisen».

Das Thema Wirtschaft dominierte die Debatte über weite Strecken. Dabei wiederholte Hollande seine Absicht, bei einem Wahlsieg den europäischen Fiskalpakt für mehr Budgetdisziplin neu verhandeln und um eine Wachstumskomponente ergänzen zu wollen.

«Sie suchen permanent Sündenböcke, es ist nie Ihre Schuld», betonte Hollande, als Sarkozy immer wieder auf die Krise verwies. Auch die mehrfachen Verweise Sarkozys auf den bisher einzigen Sozialisten im Präsidentenamt, François Mitterrand, liess Hollande nicht unbeantwortet. Jetzt gehe es um Präsident Sarkozy, nicht um Mitterrand.

Fessenheim abstellen

Im Bereich der Atompolitik verteidigte der Präsident die 58 Reaktoren des Landes mit den Worten: «Die Atomenergie ist ein französischer Trumpf - unsere deutschen Freunde zahlen 35 Prozent mehr für ihren Strom als wir».

Deutschland habe im Bereich der erneuerbaren Energien eine knappe Viertel Million Arbeitsplätze, Frankreich 50'000, konterte Hollande, der bei seiner Wahl das AKW Fessenheim an der deutsch-französischen Grenze schliessen will. Es ist das älteste des Landes und liegt in einer Region mit Erdbebengefahr.

(chb/sda)

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