Zahlen, die alarmieren: 43 Millionen Europäer haben nicht genug zu essen, 120 Millionen sind armutsgefährdet. Das zeigt ein am Donnerstag in Genf publizierter Armutsbericht der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC).

Der Bericht stützt sich unter anderem auf Eurostat-Zahlen. Die Studie untersuchte die humanitären Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Demnach stieg in den vergangenen drei Jahren die Zahl der Menschen, die Nahrungsmittel vom Roten Kreuz erhielten, europaweit in 22 Ländern um 75 Prozent. 18 Millionen Menschen erhalten von der EU finanzierte Lebensmittelhilfe.

Immer mehr Menschen leiden an Depressionen

Die europäischen Rotkreuzgesellschaften stellen in ihrem Bericht zudem fest, dass bei den Ausgaben für Gesundheit stark gespart wird. Bemerkt wird ein Anstieg beim Bedarf an psychosozialer Unterstützung für Menschen, die an Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen leiden.
Laut dem Bericht ist in 17 EU-Ländern ein Fünftel der Bevölkerung arm.

«Europa ist mit der schlimmsten humanitären Krise seit sechzig Jahren konfrontiert», sagte IFRC-Generalsekretär Bekele Geleta. «Das Leben von Millionen Menschen ist über den Haufen geworfen worden in den letzten fünf Jahren, und die Situation verschlechtert sich stetig weiter.»

In Südeuropa wächst die Kluft zwischen Arm und Reich am schnellsten

Vor allem in Südeuropa hat sich die Lage dramatisch verschlimmert. In Spanien wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer. Seit der Beginn der Wirtschaftskrise 2008 habe sich die Zahl der extrem armen Menschen verdoppelt, hieß es im ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht für 2012 der Caritas.

Mehr als sechs Prozent der spanischen Bevölkerung, etwa drei Millionen Menschen, hätten mit 307 Euro oder weniger im Monat auskommen müssen. In keinem anderen Land Europas ginge die Schere zwischen Wohlstand und Armut so weit auseinander wie in Spanien.

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In der Schweiz gilt jeder 13. als arm 

In der Schweiz hat die Armut in den vergangenen Jahren leicht abgenommen. Dem Bericht der IFRC zufolge lebten zuletzt 15 Prozent der Schweizer unter der Armutsgrenze. Im Jahr 2008 lag diese Quote noch bei 16,2 Prozent. Diese Menschen verdienen der Definition zufolge weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in der Schweiz. 

Die IFRC-Daten bestätigen Ergebnisse des Europäischen Statistikamts Eurostat: Demnach sind die Schweizer zwar weniger von Armut gefährdet als der Schnitt der 27 EU-Länder. Doch von den helvetischen Nachbarstaaten weisen nur Deutschland und Italien eine höhere, sogenannte Armutsgefährdungsquote aus. Auch in den nordischen Ländern Europas ist die Gefahr zu verarmen teils deutlich niedriger als hierzulande (siehe Bilderstrecke oben). 

Nach einer im August veröffentlichten Studie des Bundesamts für Statistik waren 2011 rund 580'000 Schweizer von Einkommensarmut betroffen - also jede 13. in der Schweiz lebende Person. Am prekärsten ist die Lage demnach für Alleinerziehende, Personen mit geringer Bildung und Erwerbslose. Seit 2007 sank die sogenannte Armutsquote um fast zwei Punkte auf 7,6 Prozent. 

(sda/reuters/moh/aho)