Es ist wieder so weit: Nun können wir wieder für ein Butterbrot ans Mittelmeer fliegen, teilweise sogar mit staatlich gestützten Airlines. Der beschwingte und billige Neustart an den Airports macht es besonders klar: Die Vorstellung, der Klimawandel lasse sich mit Konsumverboten, Regulierungen oder auch mit freiwilliger Zurückhaltung wegbeten, ist schlicht realitätsfremd.

Dies wird nicht nur nach der Ablehnung des CO₂-Gesetzes in der Schweiz klar – sondern insbesondere auch nach dem Abklingen der Covid-19-Krise.

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Denn immerhin erlebten wir in den letzten eineinhalb Jahren die dramatischste Abbremsung der Mobilität und der Industrie, die es je gegeben hat. Eine Gruppe von Ökonomen aus vier Ländern ging nun der Frage nach, wie sich die zahllosen Lock- und Shutdowns auf die Luftqualität auswirkten – in Asien, Amerika, Europa, Ozeanien. Die gute Nachricht: Insgesamt sank die gemessene Verschmutzung um 35 bis 45 Prozent. Und vielfach waren die Verbesserungen sogar erstaunlich dauerhaft, die Luft blieb über die Lockdown-Monate hinaus sauberer.

Doch zugleich verschlechterte sich die Luft in vielen Gegenden Asiens, Afrikas und Südamerikas. Denn während gewisse Tätigkeiten gestoppt wurden, verlagerten sich die Menschen auf andere Aktivitäten, die dann wiederum mehr Energie benötigten. Zum Beispiel für Laptops, Games und Klimaanlagen. Und der Strom dafür stammt in vielen Gegenden halt immer noch aus der Kohle.

«Der Kampf gegen das Treibhausgas ist ein Investmentprogramm, kein Sparprogramm.»

Und so verhalten sich unsere Lenkungsabgaben-Streitereien zum Gesamtproblem wie die SRF-Wettervorhersage zum Weltklima.

Sehr krass belegte dies soeben der neue «Renewables Global Status Report» des Behörden- und NGO-Netzwerks Ren21: Trotz dem Pandemievollstopp, so stand da, «erreichten die G20-Länder, die für einen Grossteil der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich sind, ihre wenig ambitionierten Ziele für erneuerbare Energien nur knapp oder verfehlten diese sogar». China zum Beispiel liess 2020 fröhlich weitere Kohlekraftwerke ans Netz. Insgesamt rechnet der Bericht vor, dass der Anteil der fossilen Brennstoffe am Energieverbrauch von 80,3 Prozent im Jahr 2009 auf 80,2 Prozent im Jahr 2019 sank.

Sie haben richtig gelesen – ein Minus von 0,1 Prozentpunkten. Natürlich bei krass gesteigertem Gesamtverbrauch.

Verbote bringen keine Durchbrüche

Können wir also bloss noch den Kopf in den heissen Sand stecken? Keineswegs. Aber langsam sollten wir definitiv Schluss machen mit dem moralisierenden Klimagerede. «Degrowth»-Träume lenken nur ab von den wahren Chancen. Verbote schaffen keine Technikdurchbrüche. Im Übrigen ist die Sache zu ernst, als dass man CO₂- und Umverteilungs-Ziele vermischen sollte.

Die Klimazukunft kann gewonnen werden: mit massiven Investitionen der Staaten. Mit Erfindungen der Industrie. Mit Einsichten der Wissenschaft. Mit Grosskrediten, die hübsche Gewinne versprechen. Also mit dem, was man wirtschaftliches Wachstum nennt. Der Kampf gegen das Treibhausgas ist ein Investmentprogramm, kein Sparprogramm.

Täuscht der Eindruck – oder sind es wieder mal die Amerikaner, die in diesem Business jetzt gerade die Führung übernehmen?