Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat am ETH-Tag vom Samstag in Zürich die Verantwortlichen der Hochschule gemahnt, trotz Internationalisierung auch den einheimischen Nachwuchs im Auge zu behalten. Er forderte die ETH auch auf, sich noch stärker mit Fachhochschulen zu vernetzen. Zwischen Bevölkerung, Wirtschaft und Politik herrsche ein breiter Konsens darüber, viel Geld in die Spitzenforschung zu investieren und keine Auflagen daran zu knüpfen. Von der ETH werde aber nicht nur «unerbittliches Streben nach Exzellenz» gefordert, sondern auch, die Verbindung des Bildungs- und Forschungsplatzes Schweiz mit der Welt.

Schneider-Ammann sieht die ETH Zürich und die EPF Lausanne als Zugpferde im internationalen Wettbewerb. Er erwartet als Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung aber, dass die ETH auch kleineren Universitäten, Fachhochschulen und KMUs die Türen in die weite Welt öffnet. So könne das Potenzial von europäischen Programmen noch besser ausgeschöpft werden.

Bildungssystem: ineinander greifende Zahnräder

ETH-Rektor Lino Guzzella verglich in seiner Begrüssungsrede das Bildungssystem der Schweiz mit einer komplexen Maschine, in der viele Zahnräder ineinander greifen. Der Betrieb der Maschine sei gefährdet, wenn nur ein einzelnes Rädchen ausfalle.

«Kein Zahnrad ist mehr Wert als ein anderes, auch wenn die Herstellung gewisser Räder aufwendiger ist oder diese spezielle Schmiermittel benötigen», sagte Guzzella. ETH und EPF seien «zugegebenermassen keine billigen Zahnräder in diesem System.» Guzzella sprach sich gegen ein «Gleichmachersystem» im vielschichtigen Forschungs- und Bildungssystem aus. Die Politik müsse für alle Akteure klare Rahmenbedingungen schaffen und den einzelnen Institutionen klare Aufgaben zuweisen.

Der ETH-Rektor ist überzeugt, dass es besser ist, «eine klar gestellte Aufgabe hervorragend zu erfüllen, als eine breite Anforderungsliste abzuarbeiten, die zwangsläufig zu mittelmässigen Resultaten führt». Die Erwartungen der Schweizer Wirtschaft, Gesellschaft und Politik könne die ETH nur erfüllen, wenn sie auf globalem Niveau forsche und lehre und sich international vernetze. Der weltweite Forschungswettbewerb werde immer härter. Wie in der Wirtschaft holten auch in der Wissenschaft vor allem die asiatischen Länder rasant auf. Auch in der Forschung dürfe es sich die Schweiz nicht erlauben, ihre erarbeitete Position preiszugeben, sagte Guzzella.

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Vier Ehrendoktortitel vergeben

Vier Forschende haben am Samstag die Ehrendoktorwürde der ETH erhalten. Jillian F. Banfield von der University of California in Berkeley wurde geehrt für ihre wegweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Geomikrobiologie. Der Teilchenphysiker Peter Jenni wurde für die Planung, Konstruktion und Leitung des ATLAS-Experiments am Large Hadron Collider des CERN zum Ehrendoktor ernannt.

Zwei Ehrungen gingen an Forschende aus der Informatik: Noga Alon von der Universität Tel Aviv wurde für seine grundlegenden Beiträge zur Diskreten Mathematik und der Theoretischen Informatik ausgezeichnet. Für seine Beiträge zu skalierbaren verteilten Systemen im Internet erhielt Eric A. Brewer den Ehrendoktortitel. Er ist Professor in Berkeley USA und Vizepräsident für Infrastruktur bei Google.

Zu Ehrenräten ernannt hat die ETH die drei Unternehmer René Braginsky, Martin Haefner und Max Rössler sowie Georg Schoop, den Leiter des Stadtforstamtes Baden.

(awp/sda/moh)