Die Bank Safra Sarasin wird ihre Probleme mit «Cum-Ex»-Geschäften nicht los. Mit dem schnellen Kauf und Verkauf von Aktien sollen Banken und Kapitalanlagefonds den deutschen Fiskus um Milliarden gebracht haben. Dabei hätten Banken und Fonds, so der Verdacht, beim Aktienhandel mit  (Cum) oder ohne (Ex) Dividende sich eine nur einmal bezahlte Kapitalertragssteuer mehrmals vom Fiskus erstatten lassen.

«Wir hatten nichts gewusst»

Die Ermittlungen rund um diese sogenannten «Cum-Ex»-Geschäfte ziehen immer weitere Kreise. Auch der deutsche Finanzakrobat Carsten Maschmeyer prozessiert gegen die Schweizer, wie handelszeitung.ch mehrmals berichtete, ebenfalls wie Drogeriekönig Erwin Müller. «Wir Investoren hatten keine Ahnung, dass die Bank das Geld für Steuertricks eingesetzt hat», so Maschmeyer einmal im Interview mit handelszeitung.ch.

Nun schreibt die Süddeutsche Zeitung - in Zusammenarbeit mit dem Tages-Anzeiger -, dass am Donnerstagmorgen bei zahlreichen Bankern und Juristen in Basel und Zürich eine Razzia stattfand, die nur darum passierte, weil die Schweizer Behörden mit Deutschland im Rahmen der Amtshilfe kooperierten. Ein Novum, so das deutsche Blatt: Eine Razzia bei Bankern in der Schweiz wegen eines Steuerfalls, das habe es bisher noch nie gegeben, lässt sich ein deutscher Steuerfahnder zitieren.

Anzeige

460 Millionen, über 30 Verdächtige

Die Leitung der Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft Köln; es gehe um mehr als 460 Millionen Euro, betroffen seien mehr als 30 Banker, Börsenhändler und Fondsbetreiber. Viele Spuren führten in die Schweiz: Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Zürich, Zug, Graubünden, St. Gallen und Schwyz. Mehr als 20 Büros und Wohnungen wurden gefilzt, so die Zeitung. Und: Betroffen sei auch die Bank J. Safra Sarasin in Basel und Zürich.

Noch vor wenigen Jahren wären deutsche Steuerfahnder, die in der Schweiz Schwarzgeldkonten ausheben wollten, im Gefängnis gelandet - wegen «Beihilfe zur nachrichtlichen Wirtschaftsspionage». Damals ging es um eine Schwarzgeld-CD mit Daten der Credit Suisse, die sich das Bundesland Nordrhein-Westfalen kaufte.

Schweizer brauchten lange

Trotz der erstmaligen Amtshilfe der Schweizer in einem solchen Fall gibt es für die deutschen Justizbeamten einen kleinen Wermutstropfen: Die Schweizer brauchten vergleichsweise lange für den Vollzug. In Deutschland und anderen Ländern sei viel früher zugeschlagen worden, so die Süddeutsche. Etwa vor zehn Tagen bei Safra Sarasin in Frankfurt am Main.

(chb)