Nach dem verlorenen Referendum zur Unabhängigkeit hat Schottlands Ministerpräsident Alex Salmond seinen Rücktritt als Regierungschef und als Parteivorsitzender der SNP angekündigt. Er werde auf dem Parteitag in Perth nicht mehr kandidieren, sagte Salmond am Freitag. Die schottische Regionalregierung unter ihrem Chef Alex Salmond gestand ihre Niederlage ein. Der britische Premierminister David Cameron versprach allen Teilen Grossbritanniens mehr Autonomie.

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«Trotz des Neins wird Schottland wohl weitere Freiheiten bekommen», sagte auch Oliver Adler, Chefökonom der Credit Suisse. Die Verhandlungen über eine weitere Verlagerung von Autonomiebefugnissen von London nach Schottland sollen noch im November beginnen. Bereits für Januar ist ein Gesetzentwurf geplant, der die neuen Regelungen festschreibt, kündigte Cameron am Freitag laut Agenturen an.

Salmond hinterlässt bleibenden Eindruck

Salmond hat gekämpft bis zum Schluss, gekämpft für seinen Traum eines eigenständigen Schottlands. Auch wenn er nach dem Referendum seine Niederlage eingestehen musste und seinen Rücktritt als Chef der Regierung und der Schottischen Nationalpartei ankündigte, hinterlässt der 59-Jährige einen bleibenden Eindruck.

Der Stratege Salmond wird von seinen Anhängern wie ein Volksheld gefeiert. Redetalent, Schlagfertigkeit und Witz brachten ihm auch den Respekt seiner Gegner ein.

Privates blieb privat

Sein Privatleben um seine kinderlose Ehe mit Gattin Moira schirmt er von der Öffentlichkeit ab - «very private» nennen ihn die Menschen in seinem Heimatort Linlithgow. Nach dem Studium an der schottischen Universität St. Andrews arbeitete Salmond unter anderem als Banker.

Zur Schottischen Nationalpartei SNP kam der junge Alex in den frühen 70ern und wurde 1990 ihr Vorsitzender. Nach Führungskämpfen und einem Rücktritt übernahm er das Amt 2004 wieder - und führte die Partei zu einem nicht gekannten Höhenflug.

Anfänglich belächelt

2007 wurden die Unabhängigkeitspartei stärkste Kraft und Salmond Ministerpräsident in der schottischen Regionalregierung. Als es vier Jahre später zur absoluten Mehrheit reichte, erkannte Salmond die Chance und brachte ein zunächst belächeltes Referendum über die Unabhängigkeit auf den Weg. Dass schliesslich fast 45 Prozent der Schotten dafür stimmen würden, hielt damals kaum jemand für möglich.

Doch es gelang ihm und der geschickt geführten «YES»-Kampagne, in London blanke Panik auszulösen und der Regierung das Versprechen maximaler Eigenständigkeit für Schottland zu entlocken. Salmond wollte die Dezentralisierung von Beginn auf den Stimmzettel schreiben, obwohl das die Abspaltung unwahrscheinlich gemacht hätte.

Seinen Traum von der Abspaltung hat Salmond trotz Niederlage aber offenbar dennoch nicht völlig aufgegeben. Vor Anhängern in Edinburgh sagt er am Freitag zunächst, nun sei entschieden, dass Schottland «zu diesem Zeitpunkt kein unabhängiges Land» werde. Ob Salmond jedoch noch einmal an vorderster Front für ein eigenständiges Schottland kämpfen wird, erscheint nach seiner Rücktrittsankündigung fraglich.


— Guardian news (@guardiannews) 19. September 2014

(sda/ise)