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Abstimmung
Schottland-Umfrage schreckt Finanzmärkte auf

An den Finanzmärkten hat sich das erhöhte Risiko einer Loslösung Schottlands von Grossbritannien bemerkbar gemacht. Das britische Pfund gerät unter Druck.

Veröffentlicht am 08.09.2014

Am Wochenende hatte eine Umfrage des Forschungsinstituts YouGov erstmals eine Mehrheit für eine Abspaltung Schottlands vom Vereinigten Königreich ergeben. Auch Analysten wiesen auf die grössere Gefahr einer Spaltung Grossbritanniens hin. Zugleich relativierten sie, dass die Umfrage lediglich eine von mehreren sei, die regelmässig durchgeführt würden.

Das Pfund gab zum Wochenauftakt jedoch klar nach. Am Montagvormittag fiel die britische Währung gegenüber dem amerikanischen Dollar um 0,9 Prozent auf 1,6145 Dollar zurück. Das ist der tiefste Stand seit November 2013. Auch zum Euro gab das Pfund nach, und zum Franken sank das Pfund von 1,520 am Freitagabend auf 1,506 Franken am Montagmorgen.

Aktienkurse tauchen

Am britischen Aktienmarkt fiel der Börsenindex FTSE 100 um gut 0,3 Prozent zurück. Die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen erhöhte sich moderat auf 2,48 Prozent. Die Furcht der Anleger vor den Folgen einer möglichen Abspaltung machte auch den Aktienkursen der Royal Bank of Scotland (RBS) und von Lloyds zu schaffen. Mit einem Kursminus von jeweils mehr als zwei Prozent gehörten die beiden Grossbanken mit Sitz in Schottland zu den grössten Verlierer im Londoner Auswahlindex FTSE.

Anleger hätten bislang damit gerechnet, dass die Schotten sich gegen eine Loslösung von Grossbritannien aussprechen werden, sagte Jesper Bargmann, Chefhändler der Nordea Bank in Singapur.

Phase der Unischerheit

Die Abstimmung sei nur der Auftakt für eine Phase der Unsicherheit, warnten die Analysten der Barclays Bank. Schliesslich gebe es viele ungeklärte Fragen. Hierzu gehörten die Aufteilung von Vermögenswerten, die Auswirkungen auf die Steuereinnahmen und die Wahl einer schottischen Währung.

«Ein Umfrageergebnis allein bedeutet nicht, dass eine Abspaltung jetzt sehr wahrscheinlich ist», kommentierte Robert Wood, Chefökonom für Grossbritannien bei der Berenberg Bank. Wie Experte Malcolm Barr von JP Morgan verwies er auf das knappe Ergebnis, das im Rahmen gewöhnlicher Messfehler liege. «Allerdings haben die Befürworter einer Abspaltung Schwung gewonnen», sagte Wood. Analysten unterstrichen, dass es weitere Umfragen anderer Institute gebe, die immer noch eine Mehrheit gegen die Loslösung Schottlands zeigten.

Risiko für Schottland und Grossbritannien

Sollte es anders kommen, sehen Beobachter Risiken sowohl für Schottland als auch das Vereinigte Königreich. Viele Fragen, die sich aus einer Abspaltung ergeben würden, sind bisher unbeantwortet. Wirtschaftlich gilt es unter anderem als fraglich, welche Währung ein eigenständiges Schottland haben würde. Die Befürworter einer schottischen Unabhängigkeit möchten gerne das Pfund behalten, was die Londoner Regierung aber strikt ablehnt. Politisch sehen Beobachter im Falle einer Loslösung Schottlands ein erhöhtes Risiko, dass sich der Rest des Vereinigten Königreichs weiter von der Europäischen Union abwendet und eventuell ganz austritt.

 (awp/sda/ise/me)

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