Unbekannte haben im Nordwesten Frankreichs auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft geschossen, in der Bewohner des Lagers von Calais untergebracht werden sollen. An der Fassade des Gebäudes im nahe Nantes gelegenen Saint-Brévin wurden Einschusslöcher entdeckt, wie die Polizei mitteilte.

Bürgermeister Yannick Haury sprach von einer «inakzeptablen und unverantwortlichen Tat». Wohnungsbauministerin Emmanuelle Cosse rief die Franzosen auf, solche «extrem rassistischen Taten» zu verurteilen. Die Schüsse wurden der Polizei zufolge bereits am Dienstagabend abgegeben. In der Ferienanlage an der Atlantikküste sollen künftig 70 Flüchtlinge aus dem Lager in Calais unterkommen.

Calais wird bald geräumt

Das Vorhaben sorgt in Saint-Brévin für erhitzte Gemüter. Mitte September demonstrierten in der 12'000-Einwohner-Stadt rund 200 Menschen gegen die Ankunft der Flüchtlinge, zugleich gingen etwa gleich viele Befürworter des Vorhabens auf die Strasse.

Das auch als «Dschungel» bekannte Flüchtlingslager von Calais soll bis zum Jahresende geräumt werden. Einen Termin zum Beginn der Räumung haben die Behörden noch nicht angegeben; der französische Menschenrechtsbeauftragte Jacques Toubon nannte am Donnerstag aber den 17. Oktober als mögliches Datum.

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Mindestens 7000 Flüchtlingslager

In dem Lager am Ärmelkanal halten sich nach offiziellen Angaben rund 7000 Flüchtlinge auf, Hilfsorganisationen sprechen sogar von mehr als 10'000. Die Menschen sollen in Aufnahmezentren in ganz Frankreich umverteilt werden. Dagegen regt sich in einigen Regionen Widerstand.

Viele fürchten auch, dass in Calais bald neue Flüchtlingslager entstehen könnten. Denn die meisten der Flüchtlinge wollen heimlich nach Grossbritannien gelangen – von Calais aus fahren nicht nur viele Fähren nach Grossbritannien, in der Gegend beginnt auch der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal.

(sda/me/chb)