Nach der Attacke in einem Thalys-Zug will die EU-Kommission die Sicherheit von Bahnreisenden verbessern. Bei einem Treffen der europäischen Innen- und Verkehrsminister vom Samstag, bei dem auch die Schweiz anwesend sein wird, will die Brüsseler Behörde einen Drei-Punkte-Plan präsentieren, um Zugreisende vor Attacken zu schützen.

Die Massnahmen sollen vorerst offenbar nur für Hochgeschwindigkeitszüge wie Thalys, ICE, TGV oder den Pendolino gelten. Im Raum stehen mehr Videoüberwachung, mehr Personal und Checks vor dem Einsteigen, wie die deutsche Zeitung «Die Welt» berichtet.

Schweiz am Treffen dabei

«Wir werden eine Videoüberwachung in allen Hochgeschwindigkeitszügen, eine bessere Schulung des Zugpersonals für den Ernstfall und bei erhöhter Gefährdungslage auch den Einsatz von bewaffneten Zugsicherheitsbegleitern vorschlagen», zitiert die Zeitung einen Insider. Ausserdem sollen die Passagiere samt Gepäck vor der Zugfahrt von einem Metalldetektor überprüft werden. Vorstellbar sei in besonderen Fällen auch der Einsatz von Ganzkörperscannern («Nacktscanner»).

Nach Angaben aus dem Umfeld des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve sollen neun Länder bei dem Treffen in Paris anwesend sein – neben Frankreich auch Deutschland, Grossbritannien, Italien, Spanien, Belgien, Luxemburg, die Niederlande und die Schweiz. Eine Mediensprecherin des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) bestätigt auf Anfrage von handelszeitung.ch, dass Amtsdirektorin Nicoletta della Valle vor Ort ist. Über den genauen Inhalt wurden keine weiteren Angaben gemacht.

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Grüne kritisieren den Plan der EU-Kommission

Der schwer bewaffnete Marokkaner al-Khazzani hatte vor einer Woche in einem Thalys-Schnellzug auf dem Weg von Amsterdam nach Paris das Feuer eröffnet. Zwei US-Soldaten und weitere Passagiere überwältigten den 25-Jährigen und verhinderten damit vermutlich ein Blutbad. Einer der Soldaten und ein weiterer Passagier wurden schwer verletzt.

Die Angriffe lösten in mehreren Ländern eine Debatte über Sicherheit im Zugverkehr aus. Die SBB gab sich bisher aber wortkarg: Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» verweigerte der Bundesbetrieb jeden Kommentar zum Thema. Die SBB sagten nur: «Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) erstellt die Lageberichte zu Bedrohungsszenarien.»

Widerstand gegen Kontrollen

Gegen stärkere Kontrollen dürfte es hierzulande jedenfalls grossen Widerstand geben. Allen sei bewusst, dass ein Terrorangriff auf einen Zug ein Riesenrisiko sei, sagte Peter Moor vom Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonalverband gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Doch zum bisherigen System des freien Zugangs zur Bahn gebe es keine Alternative, wie er weiter sagt.

Moor erhält Unterstützung von Kurt Schreiber, dem Präsidenten von Pro Bahn Schweiz, der die Anliegen der Bahnreisenden vertritt. Eintrittsschleusen und Sicherheitskontrollen an Bahnhöfen wie an Flughäfen würden den Bahnverkehr kollabieren lassen, sagte er im gleichen Bericht.

(ise)