Den Schweizer Börsen droht nach der Annahme der Minder-Initiative eine Dekotierungswelle. Die Umsetzung des Volksentscheids sei für verschiedene kleine Firmen zu teuer, sagte zCapital-Chef Gregor Greber auf einer Pressekonferenz zur Corporate Governance bei Schweizer Publikumsgesellschaften.

Als Beispiele nannte er Precious Woods, Fortimo, Victoria-Jungfrau oder Gondelbahn-Grindelwald, die ihren Rückzug von der Schweizer oder der Berner Börse bereits eingeleitet haben. Für die Berner Börse sieht Greber eine schwierige Zukunft.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Seltsame Fälle

Zumindest das Beispiel Precious Woods ist jedoch äusserst fragwürdig: Diese Firma strauchelt seit Jahren von einer Pleite zur nächsten und hat die Dekotierung längst vor der Minder-Initiative bekanntgegeben. Nebenbei war Precious Woods eine jener Firmen, in denen der aktuelle Economiesuisse-Chef Rudolf Wehrli jahrelang im Verwaltungsrat sass.

Keine Abwanderung

Die Einhaltung der Regeln zur Begrenzung der Managerlöhne führe bei den Firmen insgesamt zu einem Zusatzaufwand. Die Firmen würden den Kanzleien gute Anwälte abwerben, um die Initiative umzusetzen, erklärte Greber.

Einen Wechsel von Firmen von der Schweizer Börse an andere Handelsplätze befürchtet Greber dagegen nicht. «Eine Abwanderung wird nicht stattfinden», sagte Greber und widersprach damit den Drohungen von Firmenchefs. «Sie können das den Aktionären nicht erklären.» Eher sieht er Anzeichen dafür, dass schärfere Bestimmungen zur Vergütung von Verwaltungsräten und Geschäftsführern zu einem «Exportschlager» werden könnten.

ZCapital rechnet damit, dass die Minder-Initiative zu transparenteren und verständlicheren Vergütungssysteme und eher sinkenden Löhnen führen dürfte. Ein Problem sieht der Vermögensverwalter im Verbot von Abgangsentschädigungen und Vorausvergütungen. Wenn es Firmen verboten werde, neuen Managern Ansprüche des bisherigen Arbeitgebers zu ersetzen, könnte dies zu einer Austrocknung des Arbeitsmarktes führen, weil Manager dann nicht mehr wechseln würden.

(tke/chb/reuters)