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Studie
Schweiz hinkt Asiens Finanzzentren hinterher

Paradeplatz: Nervzentrum der Schweizer Hochfinanz. Keystone

Die Schweizer Banker müssen Gas geben: Analysten glauben, dass Singapur und Hongkong bis 2021 mehr als doppelt soviele Ausland-Vermögen anlocken werden, als der hiesige Finazplatz.

Veröffentlicht am 16.06.2017

Die Finanzplätze Singapur und Hongkong werden in den kommenden vier Jahren mehr als doppelt soviele Vermögen aus dem Ausland anlocken, als die Schweiz. Das geht aus einer Studie von Boston Consulting Group (BCG) hervor. Vor allem das wirtschaftliche Wachstum Asiens ziehe Barmittel von Millionären an.

Die Wahrnehmung, dass Singapur sicher und stabil ist, wird Boston Consulting Group (BCG) zufolge dabei helfen, Geld in das südostasiatische Land fliessen zu lassen. Die Beratungsgesellschaft prognostiziert, dass die Offshore-Aktiva dort mit einer durchschnittlichen Gesamt-Jahresrate von 8 Prozent bis 2021 zulegen werden. Für Hongkong sagt die Studie 7 Prozent vorher, für die Schweiz hingegen nur 3 Prozent.

Schweiz weltweit grösste Drehscheibe für Offshore-Vermögen

Die Schweiz bleibt laut dem Papier allerdings das weltweit grösste Drehkreuz für Offshore-Vermögensverwaltung mit 2,4 Billionen Dollar. Die Summe ist doppelt so gross wie die von Singapur.

Jahrzehntelang hatten Vermögenszentren wie die Schweiz und Singapur von politischer und wirtschaftlicher Instabilität an anderen Orten profitiert. Reiche Menschen schafften ihr Geld dorthin auf der Suche nach Erträgen. Asiens grösste Drehkreuze locken das Vermögen von Kunden aus der Region selbst an, deren Reichtum mit der wachsenden Wirtschaft zunimmt.

«Relativ zur Schweiz legen Hongkong und Singapur schneller zu wegen des konjunkturellen Wachstums von China bis Indien», sagt Mariam Jaafar, Partnerin bei BCG in Singapur, Mitverfasserin der Studie. «In den Köpfen der Kunden ist Singapur unabhängiger und sicherer. Die Regierung unterstützt zudem die Vermögensverwaltungs-Branche sehr.»

Dennoch: Chinas Beschränkungen bei Investment-Abflüssen könnte Jaafar zufolge die Bewegung von Aktiva aus der Volksrepublik heraus verlangsamen.

China am wichtigsten

China liegt vor Taiwan, Hongkong und Indonesien, wenn es um die grössten Quellen von Offshore-Wealth in der Region Asien-Pazifik geht, zeigt die Studie. Reiche Menschen halten ihr Vermögen weiter im Ausland, obwohl Behörden weltweit die Zügel bei versteckten Offshore-Geldern anziehen. Laut BCG müssen die Bemühungen von Regierungen mit Blick auf strengere Steuerregeln oder Amnestien die Reichen dieser Welt erst noch dazu bewegen, ihre nicht-deklarierten Aktiva spürbar zurückzuführen. «Wegen politischer Instabilität bleiben Offshore-Lösungen für vermögende Familien attraktiv», heisst es in dem Papier weiter.

Banken von der UBS über Credit Suisse bis hin zur DBS Group hatten zuletzt die Anzahl der Mitarbeiter in der Vermögensverwaltung erhöht, um Kunden in aller Welt zu bedienen, während die Aktiva zulegen.

Der BCG-Studie zufolge sind Offshore-Aktiva an Private Banking-Standorten global im vergangenen Jahr um fast 4 Prozent auf 10,3 Billionen Dollar angeschwollen.

(bloomberg/chb)

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