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Terror
«Schweiz ist für Illegales ein unattraktiver Markt»

Irakischer Soldat im Training: Der IS hat viel Geld.   Keystone

Ex-Investmentbanker und Terrorismus-Finanzexperte Tom Keatinge über die Finanzierung der IS und die vorbildliche Rolle der Schweizer Banken, wenn es um die Abwehr von Terrorgeld geht.

Von Jan Vollmer
am 08.10.2014

Fliesst Geld über Schweizer Banken an IS-Terroristen?
Tom Keatinge: Jedes Bankensystem ist potenziell davon bedroht und muss sehr vorsichtig sein.

Ist der Schweizer Finanzplatz vorsichtig genug?
Ich habe bis jetzt keine Beweise gesehen, dass das Schweizer Bankensystem benutzt würde, um Terroristen zu finanzieren.

Würden es Schweizer Banken denn überhaupt merken, wenn sie für Terrorfinanzierung benutzt würden?
Das Schweizer Bankensystem ist in den letzten Jahren sehr viel transparenter geworden. Das ist eine wichtige Verbesserung und macht die Schweiz zu einem unattraktiveren Markt für illegale Finanztransaktionen.

Dennoch hat der IS viel Geld. Wie gross ist sein Budget?
Die Rede ist von 1 oder 2 Milliarden. Ich vermute, der IS nimmt 2 bis 2 Millionen Dollar am Tag mit dem Verkauf von Öl ein, dann hätte er bis zu 500 oder 600 Millionen im Jahr. Dazu kommt eben noch die Steuer der Menschen vor Ort sowie das Geld und die Aktiva wie Waffen und Fahrzeuge, die er erbeutet. Das ist eine Menge mehr als die 30 Millionen, die Al-Qaida vermutlich 2001 als Budget hatte.

Woher bekommt der IS sein Geld?
Die Geschichte des Islamic State reicht bis in die späten 1990er-Jahre zurück. In dieser Zeit hat der IS gelernt zu überleben. Eine der Lektionen war, immer verlässliche und regelmässige Geldquellen zu kontrollieren. Auch auf seinem Weg durch Syrien hat der IS sich klar auf -Geschäftszentren und Ölfelder konzentriert. Dieses Öl wurde dann in die Türkei geschmuggelt und dank einer -eigenartigen Zweckehe an das Assad-Regime verkauft. Weil Assad die wichtigsten Raffinerien kontrolliert, waren der IS und das Regime aufeinander angewiesen.

Spielen die bekannten weltweiten Steueroasen bei der Finanzierung von Terroristen denn eine Rolle?
Offshore-Finanzplätze sind zu komplex für Organisationen wie den IS. Sie spielen keine Rolle bei der Finanzierung von Terroristen. Aber hybride Organisationen wie zum Beispiel die Farc in Kolumbien, die ja zum Teil auch eine organisierte Verbrechensorganisation ist, haben angefangen, Geld in Steueroasen zu waschen.

Das ganze Interview lesen Sie in der neuen «Handelszeitung», ab heute am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.

 

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