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Investitionen
Schweiz könnte von Atomabkommen profitieren

Iran: Der iranische Präsident Hassan Rouhani verkündet den Vertrag.   Keystone

Die Einigung im Atomstreit mit Iran öffnet der Schweizer Wirtschaft Türen zu einem interessanten Markt. Doch erst müssen alle Sanktionen beseitigt werden.

Veröffentlicht am 14.07.2015

Die historische Einigung im Atomstreit mit Iran öffnet der Schweizer Wirtschaft Türen zu einem interessanten Markt. Allerdings stehen diese Schweizer Unternehmen erst mit einem umfassenden Abbau der Sanktionen wirklich offen.

Durch das geschlossene Abkommen hätten Firmen aus der Schweiz eine längerfristige Planungssicherheit, hiess es beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Interessierte Firmen könnten weitere Kontakte knüpfen und Gespräche führen. Und der Iran habe mit seinen fast 80 Millionen Einwohnern und riesigen Vorkommen an Öl und Gas ein grosses Potenzial.

Bereits im April vor Ort

Bereits im April war eine Schweizer Handelsdelegation in den Iran gereist, um den Markt zu sondieren. Die Schweiz sei gut positioniert, um im Iran Fuss zu fassen, sofern das Nuklearabkommen definitiv unter Dach komme, sagte die Leiterin der Schweizer Handelsdelegation und die frühere Botschafterin im Iran, Livia Leu, damals.

Laut Seco geniesst die Schweiz im Iran einen guten Ruf und Schweizer Qualität wird sehr geschätzt. Nicht zuletzt auch durch ihre Schutzmachtfunktion für die USA, die sie seit 35 Jahren inne habe.

Zahlreiche Geschäftsfelder

Schweizer Unternehmen bieten sich im Iran vielfältige Möglichkeiten. Die Wirtschaft im Iran sei stark staatlich geprägt und leide unter den internationalen Sanktionen sowie anderen strukturellen Problemen, schreibt das Seco.

Die Bedürfnisse reichten von grossen Infrastrukturprojekten bis zu Konsumgütern wie Nahrungsmittel oder Pharma- und Medizinalprodukten. Möglicherweise könnte in Zukunft auch der Cleantech-Sektor vermehrte Bedeutung erlangen.

Auch der Tourismussektor soll ausgebaut werden. Dies könnte zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern führen könnte, erklärte Livia Leu in einem Interview mit der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» Anfang Mai. Am Ende komme es darauf an, welche Prioritäten der Iran setze.

Der Aussenhandel zwischen dem Iran und der Schweiz im vergangenen Jahr belief sich auf 640 Millionen Franken. Die Schweiz exportierte für etwa 610 Millionen Franken Waren in den Iran, während die iranischen Exporte einen Umfang von 30 Millionen Franken erreichten.

Es braucht Investitionen

Die Aufhebung der Sanktionen werden der kriselnden iranischen Wirtschaft mit Sicherheit Schwung verleihen. Doch bevor die ersten Effekte zu spüren sein werden, dürfte noch viel Zeit vergehen. Die Strafmassnahmen sollen womöglich erst ab Anfang 2016 der Vergangenheit angehören. Danach vergehen vermutlich Monate, bis ihre Aufhebung Wirkung zeigt.

Die jahrelangen Sanktionen haben dem Iran zugesetzt. Die technologische und industrielle Entwicklung in dem Land müsse dringend vorankommen, urteilt der Geschäftsführer der deutsch-iranischen Handelskammer in Teheran, Daniel Bernbeck.

Dank der Lockerung der Sanktionen nach einem Interimsabkommen im November 2013 und Massnahmen der Regierung von Präsident Hassan Ruhani konnte das Land nach zwei Jahren der Rezession für 2014 ein Wachstum von drei Prozent verbuchen. Die Inflation sank von 40 auf 15 Prozent. Aber die Wirkung der Massnahmen dürfte bald erschöpft sein.

Auf Investitionen ist besonders der völlig veraltete und unterentwickelte Energiesektor dringend angewiesen. Das Land verfügt über die viertgrössten Erdöl- und zweitgrössten Erdgasvorkommen der Welt. Seit 2012 ist die Ölproduktion aber auf drei Millionen Barrel (159 Liter) Öl pro Tag gefallen, die Exporte halbierten sich auf etwa 1,3 Millionen Barrel am Tag.

(sda/chb)

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