1. Home
  2. Politik
  3. Schweiz liefert heikle Bankdaten an Perus Justiz

Korruption
Schweiz liefert heikle Bankdaten an Perus Justiz

Ex-Präsident Ollanta Humala: Mit seiner Frau Nadine Heredia unter Druck. Keystone

Bis Mitte 2016 regierte in Peru ein Präsidentenpaar, dem die Justiz Geldwäscherei vorwirft. Die Schweiz liefert nun Kontodaten der Spitzenpolitiker bei Postfinance und BEKB nach Südamerika.

Von Christian Bütikofer
am 19.10.2016

Die Korruptionsaffäre um Perus langjähriges Präsidentenpaar spitzt sich zu: Aus der Schweiz werden im Politkrimi bald wichtige Informationen nach Südamerika fliessen. Das bestätigte die Bundesanwaltschaft gegenüber handelszeitung.ch.

Von 2011 bis 2016 regierte in Peru Präsident Ollanta Humala. Seit diesem Juni ermittelt Staatsanwalt Germán Juárez Atoche gegen Humalas Frau Nadine Heredia strafrechtlich wegen des Verdachts auf Geldwäscherei und illegale Parteifinanzierung. Der Staatsanwalt erreichte, dass sie vier Monate nicht ausser Landes reisen darf. Jetzt zündet die Justiz mit ihren Ermittlungen den Nachbrenner: Auch auf Ehemann und Ex-Präsident Humala wird das Verfahren ausgeweitet. Im Oktober beantragte der Staatsanwalt, dass gegen ihn ebenfalls wegen Geldwäscherei und illegaler Parteifinanzierung ermittelt werden soll.

Postkonto im Visier

Recherchen von handelszeitung.ch zeigen, dass die Peruaner bald mit Hilfe aus Bern rechnen können. Letzten Dezember erhielt das Bundesamt für Justiz (BJ) ein Rechtshilfegesuch der Bezirksanwälte aus Lima zum Fall der Präsidentengattin Nadine Heredia. Die Peruaner wollen an Bank- und Safedaten bei der Postfinance und der Berner Kantonalbank (BEKB) kommen. Beide Banken wollten sich zum Fall wegen dem Bankgeheimnis nicht äussern. Die Postfinance meinte, berechtigte Editionsbegehren von Behörden würden entsprechend beantwortet.

Die Ermittlungen der peruanischen Strafverfolger gegen die Spitzenpolitiker laufen seit 2015 und haben Bezüge zum brasilianischen Korruptionsskandal «Lava Jato», bei dem die Weltkonzerne Odebrecht und Petrobras Milliarden von Dollar für korrupte Politiker aufwendeten.

Rolle der Schweizer Präsidenten-Schwester

Nachdem die Schweizer Behörden noch ergänzende Informationen aus Lima erhielten, gab man in Bern grünes Licht. Die Bundesanwaltschaft bestätigte, dass das Rechtshilfegsuch vollzogen wird. Das heisst, die Behörden kommen dem Wunsch Perus nach und werden die entsprechenden Daten liefern.

Damit kommt auch Ex-Präsident Ollanta Humalas Schwester ins Visier der Behörden. Denn sie lebt in der Schweiz und über ihre Konten sollen verdächtige Gelder gelaufen sein. Die Botschafterin Perus in Frankreich – eine persönliche Freundin des Präsidentenpaars – hatte die Summen offenbar übermittelt. Das zumindest zeigt ein E-Mail-Verkehr, der in einem Untersuchungsbericht aufgeführt ist und in der peruanischen Presse publiziert wurde.

Steuer-«Probleme»

Perus frühere First Lady Heredia informierte sich den Akten zufolge bei ihrer Schwägerin in der Schweiz, ob die alles Nötige bei den hiesigen Banken in die Wege geleitet hätte. Die schrieb zurück: «Hier die Nummern. Das Geld ist auf den Konten und dem Safe.»

In einer anderen E-Mail schickte sie Kontoauszüge nach Lima und gab obendrein per E-Mail den Hinweis, sie müsse «vorsichtig» vorgehen, denn es könnte «Probleme» mit den Steuerbehörden geben. Darum würde die Botschafterin aus Frankreich die Gelder «persönlich» vorbeibringen.

Kurz nach Amtsantritt erste Anschuldigungen

Schon kurz nach seinem Wahlsieg im Jahr 2011 hatte es Kritik an Humala gegeben, weil seine linksnationalistische Partei Partido Nacionalista Peruano (PNP) offenbar vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez finanziell massiv unterstützt worden war. Im Mai 2015 erhielt die peruanische Staatsanwaltschaft mehrere Anzeigen wegen angeblich illegaler Wahlkampfgelder für die Partei Ollanta Humalas.

Laut mehreren Zeugen sollen schon 2006 vom brasilianischen Baukonzern Odebrecht mindestens 600'000 US-Dollar zu Humala geflossen sein. Ebenfalls sollen in Venezuela Millionenbeträge via Diplomatengepäck ans Umfeld Humalas gelangt sein.

Anzeige