Donald Trump machte am Mittwoch ernst und löste eines seiner grössten Wahlversprechen ein. Der frisch gewählte US-Präsident veranlasste die zuständige Behörden per Dekret, mit den Vorbereitungen für den Bau einer Mauer zu Mexiko zu beginnen. Im selben Atemzug kündigte Trump auch ein härteres Durchgreifen gegenüber illegalen Einwanderern und eine starke Beschränkung von Einreisenden aus mehrheitlich muslimischen Staaten an.

Egal ob «Brexit» oder Donald Trump: Rechtspopulistische Bewegungen haben in den vergangenen Monaten die Angst vor der Zuwanderung als Erfolgsrezept entdeckt. Sie verweisen auf vermeintlich hohe Arbeitslosenzahlen, den wachsenden Frust der Wähler und sehen die Schuld in der laxen Einwanderungspolitik der Regierung.

US-Einwanderer beweisen höchste Innovationskraft

Dass Einwanderung für die Industrieländer nicht zwangsläufig eine Belastung, sondern in vielen Fällen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen kann, zeigt eine Grafik der Seite theatlas.com. Die Autoren haben die Anteile von Immigranten an der Gesamtbevölkerung verglichen, die in den ersten zehn Jahren des neuen Jahrtausends Patente angemeldet haben. 

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Führend sind dabei mit Abstand die USA. Insgesamt 194'600 Personen mit Immigrationshintergrund haben dort in den Jahren zwischen 2000 und 2010 Patente angemeldet. Damit beweisen US-Immigranten deutlich mehr Innovationskraft als die Einwanderer aller 25 übrigen untersuchten Industriestaaten.

Schweiz rangiert vor Deutschland

Aber auch die Schweiz profitiert von ihren Einwanderern. Zwischen 2000 und 2010 meldeten hier 20'400 Einwanderer ein Patent an. Damit landet die Schweiz auf dem dritten Platz hinter Deutschland mit 25'300 Patentanmeldungen. Zum Vergleich: Allein 2015 wurden in der Eidgenossenschaft 279'000 Patente angemeldet. Auf den Plätzen vier und fünf folgen Grossbritannien und die Niederlande.

In der Schweiz wird mehr als drei Jahre nach der Masseneinwanderungs-Initiative, die die Zuwanderung auch aus EU-Ländern mittels Kontingenten steuern soll, noch immer über den richtigen Umgang mit dem Zustrom aus dem Ausland gesucht.

Auch 2016 ist die Zahl der Einwanderer zurückgegangen, wie das Staatssekretariat für Migration am Donnerstag berichtete. 143'100 Menschen sind demnach 2016 in die Schweiz eingewandert, 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Gegenzug nahm die Abwanderung zu. Unter dem Strich kamen 60'262 Menschen im vorigen Jahr neu in die Schweiz - das ist ein Rückgang von 15 Prozent.

Silicon Valley fürchtet Einwanderungsstopp

Dass die Zuwanderung vor allem für innovationsgetrieben Branchen von grosser Bedeutung ist, zeigte sich schon während des Wahlkampfs in den USA: Das Technologiezentrum Silicon Valley hatte sich fast geschlossen hinter die Demokratin Hillary Clinton gestellt - unter anderem wegen Clintons grosszügigerer Einwanderungspolitik.

Viele Firmen fürchten nun, unter Trump nicht mehr genügend Talente aus dem Ausland zu erhalten. Der Republikaner hatte im Wahlkampf angedeutet, die Vergabe von Visa an Arbeiter aus anderen Ländern stärker beschränken und den Zulassungsprozess erschweren zu wollen. Wie genau seine Pläne aussehen, ist bislang aber unklar. 

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