Seit 2013 beschäftigt die Argentinier ein Korruptionsfall mit Fäden bis in die höchste Regierungsebene. Staatsanwälte im südamerikanischen Land ermitteln gegen das Umfeld des Ex-Präsidenten des Landes, Néstor Kirchner, und seiner Frau, Cristina. Sie regierten das Land zwischen 2003 und 2015 - Néstor Kirchner ist 2010 verstorben. Die Justiz ist auf der Suche nach Millionen von US-Dollar, die das Umfeld des Präsidentenpaares illegal ausser Landes geschafft haben soll. 

Auch interessant

Im Rechtshilfegesuch, das handelszeitung.ch vorliegt, geht es um zehn Schweizer Konten dieses Umfelds und des Italo-Argentiniers Néstor Ramos aus dem Tessin und seiner Schweizer Firma Helvetic Services Group. Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft Ermittlungen zu diesem Kreis aufgenommen, bestätigte eine Sprecherin gegenüber handelszeitung.ch. Die Schweizer wollen die angeforderte Bankdaten an die Argentinier überstellen. Eine schriftliche Anfrage zum Fall liess Ramos' Helvetic Services Group bis zum Publikationszeitpunkt unbeantwortet.

Auch in Liechtenstein Konten

Im Rechtshilfegsuch geht es um Firmen in Panama, Belize, Uruguay, den Vereinigten Staaten und Argentinien. Die wichtigen Finanzströme fanden alle bei Schweizer Banken in Genf und Lugano statt. Auch die LGT Bank aus Vaduz in Liechtenstein war involviert.

Allein in einem Fall beziffern die argentinischen Staatsanwälte die über die Schweiz hinterzogenen Gelder auf über 32 Millionen US-Dollar. Handelszeitung.ch hatte darüber in der Vergangenheit mehrfach berichtet, die Aktivitäten der Helvetic Services Group reichten bis in die Schweizer Fussballszene.

Zwischen der Helvetic Services Group und dem Ex-Fifa-Ethikkommissions-Mitglied Juan Damiani konnten die Ermittler ebenso Geldströme nachzeichnen. Damiani ist seit den «Panama-Papers»-Enthüllungen bekannt – und verliess später die Fifa. Nun ermitteln die Behörden auch gegen Rechtsanwalt Damiani, ist dem handelszeitung.ch vorliegenden Dokument zu entnehmen.

Komplexer Fall

Im September 2015 ging in Bern ein Rechtshilfegesuch zum Fall Báez ein - es war nicht das erste. Das besonders komplexe Ersuchen erwies sich letztes Jahr als lückenhaft, sagte ein Sprecher des Bundesamts für Justiz (BJ) gegenüber handelszeitung.ch. Im April 2016 ersuchte deshalb das BJ die argentinischen Behörden um Ergänzungen und Erklärungen. Ende August hatte das BJ ein ergänztes Rechtshilfeersuchen erhalten. Nun vollzieht die Bundesanwaltschaft das Ersuchen.

Ein erster Versuch der argentinischen Justiz im Jahr 2013 blieb auf der Strecke - weil die Schweizer keine weiteren Daten mehr erhielten - dies dürfte politische Hintergründe gehabt haben, war Cristina Kirchner doch damals noch die starke Frau im Land.

In der aktuellen Ermittlungsakte stützen sich die Staatsanwälte auch auf Erkenntnisse eines unverhofften Verbündeten: Hedgefondsguru Paul Singer. Der prozessierte gegen Argentinien wegen Staatsschulden in der Höhe von 1,7 Milliarden US-Dollar. Im Laufe dieses Verfahrens hatte er für den Prozess wichtige Erkenntnisse gewonnen, die erste Ermittlungen der Argentinier bestätigten.