Wer in der Schweiz eine Schusswaffe will, braucht einen Waffenerwerbsschein. Der Andrang ist riesig, wie aktuelle Zahlen zeigen. Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet, stellt etwa die Polizei in beiden Basel deutlich mehr Waffenerwerbsscheine aus als noch vor vier Jahren. Bis Ende Juni haben die Baselbieter Behörden fast 800 Waffenerwerbsscheine ausgestellt. So viele wurden 2012 insgesamt bewilligt.

Doch nicht nur auf dem Land rüsten Privatpersonen auf: Der gleiche Trend zeigt sich in Basel-Stadt. Auch hier nahm die Zahl der ausgestellten Waffenerwerbsscheine in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu. 2012 bewilligten die Basler Beamten 355 dieser Lizenzen; im vergangenen Jahr waren es bereits 484. Damit dürfen Privatpersonen Pistolen, Revolver oder halbautomatische Gewehre kaufen und zu Hause aufbewahren.

Obwaldner führend

Wie viele Waffen tatsächlich in den Haushalten liegen, ist jedoch aus verschiedenen Gründen unklar. Ein Zuzügler muss seine Waffe nicht in den hiesigen Waffenbüros melden. Zudem war der Erwerb von Waffen vor Dezember 2008 nicht meldepflichtig. Schweizweit gingen im letzten Jahr 29'146 Gesuche ein. Das sind 17 Prozent mehr als 2014.

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Am stärksten stieg die Nachfrage in Obwalden (49 Prozent), Luzern (34 Prozent) und Zug (33 Prozent). St. Gallen oder Baselland gaben gegenüber dem «Sonntagsblick» auch laufende Zahlen von 2016 bekannt – es zeichnet sich eine weitere Steigerung ab.

Fachhändler machen gute Geschäfte

Auch die Verkaufszahlen steigen. Daniel Wyss, Präsident des Schweizerischen Büchsenmacher- und Waffenfachhändlerverbands, hat bei verschiedenen Anbietern nachgefragt. «Sie verkaufen viel mehr Waffen als sonst. Zum Teil stieg der Umsatz seit Jahresbeginn um 25 Prozent», sagt er im Interview gegenüber der Zeitung. Der Grund? «Die Kunden kommen vorbei, weil sie Angst vor Terrorattacken haben und sich schützen wollen.»

Das sei eine gefährliche Entwicklung, warnen Experten. «Sich selber zu bewaffnen, bringt nicht mehr Sicherheit. Im Gegenteil, es bringt mehr Gewalt und mehr Tote», sagt Ortwin Renn, Risikoforscher an der Universität Stuttgart.

Polizei für Sicherheit zuständig

Auch Beat Villiger, Vizepräsident der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD), ist skeptisch: «Man kann niemandem verbieten, legal eine Waffe zu erwerben», sagt er im «Sonntagsblick». «Aber das ist keine Lösung gegen den Terror.» Villiger betont: «Es entspricht nicht dem Rechtsstaat, die Sicherheit auf eigene Faust durchzusetzen. Dazu gibt es Organisationen wie die Polizei.»

Diese soll - so wird der Ruf nach der Häufung terroristischer Attacken lauf - in der Schweiz mehr Kompetenzen erhalten. SVP-Nationalrat Lukas Reimann etwa fordert, dass Polizisten und Zöllner landesweit ihre Waffen auch ausserhalb des Dienstes tragen dürfen, zum Beispiel im Zug zur Arbeit oder in der Freizeit, das berichtet die «NZZ am Sonntag».

Entscheid im Nationalrat steht an

Die Sicherheit im Fall eines Anschlags oder Amoklaufs würde dadurch erheblich gesteigert, weil die Beamten dann jederzeit einsatzbereit seien, so Reimann. Über die Forderung wird demnächst der Nationalrat entscheiden, der Bundesrat hat sich aus föderalistischen Überlegungen gegen das Ansinnen ausgesprochen.

(jfr)