Bei der Präsidentenwahl in Polen hat sich der konservative Herausforderer Andrzej Duda gegen Amtsinhaber Bronislaw Komorowski durchgesetzt. Mit der Entscheidung vom Sonntag erlitt auch die liberal-konservative Bürgerplattform von Ministerpräsidentin Ewa Kopacz ein halbes Jahr vor der Parlamentswahl eine Schlappe. Komorowski gilt als enger Verbündeter der Politikerin. Die Finanzmärkte reagierten nervös: Die Aktien der grössten Banken verloren bis zu vier Prozent.

Komorowski räumte seine Niederlage nach Bekanntgabe der ersten Prognosen ein. Demnach entfielen auf Duda 52 und auf Komorowski 48 Prozent. «Ich wünsche meinem Herausforderer eine erfolgreiche Präsidentschaft», sagte Komorowski, der fast 20 Jahre älter ist als der 43-jährige Duda. Damit steht an der Staatsspitze ein Generationswechsel an.

Wirtschaft argwöhnisch

Duda sieht sich als politischer Nachfahre des 2010 bei einem Flugzeugabsturz getöteten Staatschefs Lech Kaczynski. Für seine national-konservative Partei Recht und Gerechtigkeit ist es der erste Wahlerfolg seit zehn Jahren. Der bis dahin weithin unbekannte Politiker lag schon in der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen überraschend vorn. Umfragen hatten damals dem Amtsinhaber noch eine deutliche Mehrheit vorausgesagt.

Anzeige

Die Finanzmärkte halten Duda für weniger unternehmerfreundlich als die Bürgerplattform, in deren achtjähriger Regierungszeit Wirtschaftswachstum und Löhne zugelegt haben. Die Verluste für Bankaktien dürften auch Dudas Plädoyer widerspiegeln, in Schweizer Franken aufgenommene Baudarlehen vieler Polen zu früheren Wechselkursen in Zlotys umzutauschen. Die Darlehen verteuerten sich deutlich, nachdem die Schweiz den Franken vom Euro-Kurs abgekoppelt hatte. Den polnischen Banken würde dies Verluste bescheren.

Präsident beeinflusst Aussenpolitik

Als Präsident ernennt Duda den Zentralbankchef und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Zudem koordiniert er mit dem Aussenminister die Aussenpolitik, unterzeichnet Gesetzesbeschlüsse und kann eigene Gesetzesvorstösse unternehmen. Das verschafft ihm und seiner Partei Spielraum, Einfluss auf Polens Beziehungen zur EU zu nehmen. Sie bauen auf eine enge Zusammenarbeit mit Deutschland.

Der Wahlausgang spiegelt Experten zufolge den Wunsch vieler Polen nach einem Wechsel und einem neuen Gesicht an der Spitze des Landes wieder. Viele beklagen eine zunehmende soziale Ungerechtigkeit und die ungleiche Verteilung des wachsenden Wohlstands

(reuters/moh)