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Umfrage
Schweizer Jugendliche sind fremdenfeindlicher geworden

Jugendliche: Offenbar nach rechts gerückt. Keystone

Die Schweizer Jugend rückt nach rechts und ist fremdenfeindlicher und homophober geworden. Neben konservativem Gedankengut erhalten auch die Ansichten der Mitte mehr Support.

Veröffentlicht am 04.11.2016

Die Schweizer Jugend rückt nach rechts. Gemäss Ergebnissen der Jugendbefragung ch-x identifiziert sich gut ein Drittel der 19-Jährigen mit der politischen Rechten. In einer früheren Befragung waren es 8 Prozent weniger gewesen.

Parallel dazu hat auch die Fremdenfeindlichkeit und die Homophobie zugenommen. Dies geht aus dem veröffentlichten Bericht «Young Adult Survey Switzerland» (YASS) hervor, der sich auf die Jugendbefragung stützt. Die jüngsten Zahlen stammen aus den Jahren 2010/2011, die vorangehenden Vergleichswerte waren 2006 erhoben worden.

Mitte wächst leicht

Leicht gewachsen ist in dem Zeitraum auch die politische Mitte. Markant abgenommen hat dagegen die Zahl der jungen Erwachsenen, die sich links positionieren, nämlich von 41 Prozent auf 28 Prozent. Bei der vorangehenden Befragung war gemäss der Studie noch ein Linksrutsch festgestellt worden.

Interessiert an Politik

Insgesamt stellt der Bericht einen Trend zur politischen Polarisierung fest. Gleichzeitig hat das Interesse an der Politik zugenommen: Der Anteil der jungen Erwachsenen, der sich für Politik interessierte, nahm zwischen 2003 und 2011 um über 20 Prozent zu. Die Teilnahme ist dabei umso grösser, je höher der Bildungsstand ist.

Die YASS-Studie gibt auch Aufschluss über die Werteorientierung junger Erwachsener. Am wichtigsten sind Freundeskreis, Partnerschaft, Genuss und Familienleben. Am Ende der Skala rangieren Traditionen, Macht, politisches Engagement, Gott und Konformismus.

Die psychische Verfassung wurde aus statistischen Gründen nur bei jungen Männern erhoben. Die Autoren sprechen in dem Bericht von bedenklichen Ergebnissen: Einer von acht Befragten hatte in den zwei vorangehenden Wochen suizidale Gedanken. Einer von zwölf gab an, oft oder immer negative Gefühle zu haben.

Die Studie zeigt auch, dass junge Männer ohne Brüche im Bildungsweg und mit anspruchsvollen Ausbildungen weniger zu negativen Gefühlen neigen. Alles in allem waren die jungen Erwachsenen in der Schweiz mit ihrem Leben aber zufrieden: 90 Prozent gaben an, ein zufriedenes Leben zu führen.

Vergleichbare Resultate

Es handelt sich um die ersten Ergebnisse der YASS-Studie. Neu daran ist, dass den 19-Jährigen immer die gleichen Fragen gestellt werden. Die Forscher erwarten, dass sich dadurch Veränderungen beschreiben und Trends und Tendenzen aufzeigen lassen. Die folgende Befragung wurde 2014/2015 durchgeführt, die Resultate werden derzeit ausgewertet.

Die Erhebung erfolgt anlässlich der Aushebung in den Rekrutierungszentren. Ergänzend werden jeweils 3000 zufällig ausgewählte 19-jährige Frauen befragt. Damit lässt die Studie auch Rückschlüsse auf geschlechtsspezifische Unterschiede zu. Die aktuellen Resultate zeigen etwa, dass es für junge Frauen mit geringen schulischen Kompetenzen besonders schwierig ist, eine Lehrstelle zu finden und abzuschliessen.

(sda/chb)

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