Noch immer kämpfen viele Milchproduzenten wegen ruinöser Preise ums Überleben. Jetzt gehen Schweizer Milchbauern mit einer neuen Marketingstrategie in die Offensive und stellen das Tierwohl sowie die Naturnähe ins Zentrum ihrer Werbung. Vermittelt werden soll künftig das Bild gesunder und glücklicher Kühe, die sich von natürlichem Futter ernähren und genügend Auslauf haben. Der Vorstand der Branchenorganisation Milch, der neben den Bauern auch die Verarbeiter und Grossverteiler angehören, verabschiedet diese Woche eine neue Werbestrategie, genannt «Mehrwertstrategie», wie die «Handelszeitung» berichtet.

Kritiker fordern derweil bereits, dass den Versprechen auch Taten folgen müssen. «Gibt es keine realen Anpassungen in der Milchproduktion, ist die neue Mehrwertstrategie nicht mehr als ein Marketing-Gag», sagt Andreas Bosshard von Vision Landwirtschaft. Kritik kommt auch aus den eigenen Reihen: «Die besten Werbespots bringen nichts, wenn wir nicht glaubwürdig unsere Werte leben», sagt Christof Baumgartner von den Thurgauer Milchproduzenten.

Ausländisches Kraftfutter

Tatsächlich zeigen neue Agristat-Zahlen, dass den Kühen noch nie so viel Kraftfutter verfüttert wurde wie heute. Ein Grossteil davon stammt aus dem Ausland. Bei den Schweizer Milchproduzenten wehrt man sich allerdings gegen neue Auflagen: «Die Milchproduzenten leisten bereits heute viel im Bereich Tierwohl, Gesundheit und Natürlichkeit», so ein Sprecher.

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