In Krisen tut unvoreingenommene Information Not. Seit 20 Jahren unterstützt die Fondation Hirondelle von Lausanne aus Medien in Krisenländern. Das Ziel der Stiftung: Die Förderung der demokratischen Debatte durch die Verbreitung unabhängiger Informationen. Eine Mission, die langen Atem braucht.

Am Anfang stand der Genozid in Ruanda 1994. Der Westschweizer Journalist Philippe Dahinden kann den Gräueltaten nicht mit verschränkten Armen zusehen. Er hilft beim Aufbau und leitet bald Radio Agatashya. Das unabhängige Medium mit humanitärem Ziel verbreitet Informationen für ruandische Flüchtlinge.

Von Afrika bis Osttimor

Ein Jahr später gründet Dahinden mit zwei anderen Journalisten die Fondation Hirondelle, Schwalbe - oder ruandisch: Agatashya. Die Stiftung will Bevölkerungsgruppen, die von Nachrichten abgeschnitten sind, relevante, unabhängige, unparteiische und genaue Informationen liefern.

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Sie übernimmt die ruandische Radiostation, die sich bis dahin unter den Fittichen von Reportern ohne Grenzen befand. Es war der Anfang eines grossen Abenteuers, das nunmehr seit 20 Jahren andauert - auch nach dem Tod von Dahinden im Jahr 2012.

Im Laufe der Jahre kamen Medien aus allen Ecken der Welt hinzu: Ob in Nepal oder Osttimor, im Kosovo oder im Kongo, im Sudan, in Liberia, in Tunesien oder Mali - überall tat und tut unabhängige Information Not. Derzeit ist die Stiftung vor allem in Afrika tätig.

Jüngstes Projekt ist justiceInfo.net. Die Internetplattform informiert und analysiert die juristische Vergangenheitsbewältigung, die Transitional Justice und liefert Informationen zu internationalen und nationalen Tribunalen, Wahrheitsfindungskommissionen und mehr.

Bundesrat: «Einzigartige Akteurin»

«Der Bundesrat betrachtet die Stiftung Hirondelle als einzigartige Akteurin im Bereich der Medien in Krisensituationen, die über eine grosse Relevanz und Akzeptanz verfügt», würdigte die Schweizer Regierung jüngst die Arbeit der Stiftung in einer Interpellationsantwort.

«Mit ihrer Tätigkeit trägt die Stiftung dazu bei, Gesellschaften in Krisen zu verändern, indem sie Millionen von Hörerinnen und Hörern die Realität ihres Landes näher bringt und ihnen damit ermöglicht, sich ihre eigene Meinung zu bilden und sich Gehör zu verschaffen.»

Die Medien, die von der Fondation Hirondelle gegründet und unterstützt würden, leisteten einen Beitrag zum Aufbau der Zivilgesellschaft. «In der Demokratischen Republik Kongo und in Südsudan sind die Uno-Radios, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung Hirondelle entwickelt wurden, nach zehn Jahren die einzigen unabhängigen Medien mit nationaler Ausstrahlung.»

Gut investierte Millionen

Rund 150 Personen arbeiten für die Stiftung im Ausland, 20 Vollzeitstellen gibt es in der Schweiz. Ihr Budget beträgt 11 Millionen Franken. Finanziell wird sie von Privaten, der EU, der Internationalen Frankophonieorganisation und verschiedenen Staaten, darunter die Schweiz, unterstützt.

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Bis 2012 griff die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) der Fondation Hirondelle punktuell über Einzelprojekte unter die Arme. Seit 2013 besteht eine institutionelle Partnerschaft: 2013 belief sich die Unterstützung auf 2,4 Millionen Franken, 2014 auf 2,6 Millionen, 2015 auf 2,7 Millionen und 2016 wird sie 2,8 Millionen Franken betragen.

(sda/chb)