Die Waadtländer Sicherheitsdruckfarben-Firma Sicpa gibt in Paris zu reden. Die Schweizer versprechen französischen Abgeordneten, in ihren Wahlkreisen zwischen 200 und 250 neue Jobs zu schaffen, wenn man Sicpa den Auftrag erteilt, die Zigarettenpackungen in Frankreich mit ihrem Authentifizierungssystem auszustatten.

Sicpa ist der weltweit führende Hersteller von Sicherheitsdruckfarben zum Schutz von Banknoten und Dokumenten - die meisten Währungen werden durch Sicpa-Druckfarben geschützt. Seit 2001 bieten die Waadtländer auch Technologien zur Nachverfolgung an, um Fälschungen und Schmuggel aufzudecken.

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Renegaten wegen Jobversprechen

Die Aktivitäten Sicpas werde in Frankreich jedoch mit Argwohn verfolgt, berichtet «Le Journal du Dimanche». Denn vor etwas mehr als einer Woche lag eine Gesetzesänderung gegen den Tabakschmuggel im französischen Senat auf der Tagesordnung. Sechs sozialistische Senatoren stellten sich nun gegen den Artikel - und stellten sich damit auch gegen die eigene Regierung. Der französische Staat wollte die Zigarettenhersteller selbst dazu verpflichten, sicherzustellen, dass der Schmuggel unterbunden wird.

Bekommt Sicpa den Auftrag und könnte die Technologie auch auf Medikamente oder Alkohol ausweiten, stellte sie den Politikern zwischen 800 und 3000 zusätzliche Arbeitsplätze in Aussicht, die in Zusammenarbeit mit der französischen Post entstünden. Und zwar in Wahlkreisen, die treu zum amtierenden Wirtschaftsminister Pierre Moscovici stehen. Die begünstigten Politiker drängen darum mit Verve für die Sicpa-Lösung.

Seit längerer Zeit am Lobbyieren

Bereits 2008 versuchten die Schweizer in den Pariser Machtzirkel vorzudringen - bisher immer ohne Erfolg. Die Scipa-Lösung wurde für «ungeeignet» befunden, den Zollbehörden würde damit die Arbeit nicht erleichtert, im Gegenteil.

«Le Journal de Dimanche» zitiert den in der Schweiz lebenden Kriminologen Pierre Delval. Er meint, der französische Staat stelle sich den Zigarettenfirmen nicht in den Weg und überlasse die Überwachung darum ihnen, um dringend benötigte Steuern einzuziehen. Gleichzeitig kritisiert Delval aber auch Sicpa wegen undurchsichtigen Lobbyings: Am 10 Juli sei eine Tabakverordnung in Brüssel verabschiedet worden, die eine Technologie zur Schmuggelbekämpfung vorsehe, die genau jener Sicpas entspreche.