Die Schweizer wollen keinen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. In seiner Deutlichkeit lässt das Resultat der Volksabstimmung keinen Zweifel offen. Die Menschen zwischen Genf und Rorschach halten nichts von staatlichen Vorschriften, wie Unternehmen ihre Angestellten bezahlen müssen. Sie setzen auf den Markt.

Das ist gleich doppelt erfreulich: Einerseits wegen des liberalen Verhaltens. Anderseits wegen der Strahlkraft nach aussen. «Wird die Schweiz sozialistisch?», fragten sich ausländische Blätter vor dem Urnengang. Die Antwort gaben die Stimmbürger nun mit aller Wucht. Das ist ein gutes Signal.

Weder sozialistisch noch unberechenbar

In den letzten Monaten häuften sich Meldungen von internationalen Konzernen, die ihre Holding wieder aus der Schweiz abzogen. Das Land sei zu unberechnbar geworden, hiess es. Gemeint waren Vorlagen wie die Minder-Initiative oder die Initiative gegen Masseneinwanderung.

Nun zeigt sich: Die Schweiz ist weder sozialistisch noch unberechenbar. Das Volk unterscheidet zwischen den Anliegen und sagt dann Ja, wenn es wirklich glaubt, dass da etwas im Argen liegt.

Das ist das Erfreulichste am Resultat: Das Volk ist eben doch berechenbarer als gedacht. Und definitiv nicht sozialistisch.

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Stefan Eiselin ist Chefredaktor des Schweizer Wirtschaftsnetzes.