Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich sicher in einer unsicheren Welt. Heute sehen sie die Zukunft sogar noch deutlich rosiger als im letzten Jahr. Das Vertrauen in Behörden und Institutionen ist hoch, und die allgemeine Wehrpflicht wird wieder vermehrt unterstützt.

Zu diesem Befund kommt die ETH Zürich in ihrer Erhebungsreihe «Sicherheit», mit der sie dem Stimmvolk seit 1991 alljährlich den Puls fühlt. Acht von zehn Befragten (82 Prozent) beurteilen derzeit die Zukunft der Schweiz zuversichtlich. Nur 2011 sei eine noch optimistischere Sichtweise beobachtet worden, heisst es in der am Freitag vorgestellten Studie.

Das allgemeine Sicherheitsempfinden der Bevölkerung bleibt unverändert. 89 Prozent geben an, sich «sehr» oder «eher» sicher zu fühlen. Zwar sehen deutlich weniger Befragte (Minus 7 Prozent) der Entwicklung der weltpolitischen Lage düster entgegen, doch nur eine schwindende Minderheit (9%) erwartet eine Entspannung auf internationaler Ebene.

Ungeliebte EU

Angesichts dieser Skepsis vertraut denn auch ein Grossteil der Schweizerinnen und Schweizer auf grösstmögliche aussenpolitische Autonomie. 81 Prozent der Befragten, mehr als je zuvor, stimmen der Aussage zu, die Schweiz sollte wirtschaftlich und politisch unabhängig bleiben. Praktisch die gesamte Schweiz (94 Prozent) bekennt sich zur Neutralität.
Dass Misstrauen gegenüber einem EU- oder Nato-Beitritt verharrt auf dem Höchstwert des letzten Jahres. Weiterhin halten nur 17 Prozent einen Anschluss an die EU für wünschenswert.

Der aktuelle bilaterale Weg wird demgegenüber von 80 Prozent breit unterstützt, und auch gegenüber einem vermehrten humanitären Engagement im Ausland und einem verstärkten Einsatz für die Anliegen der UNO zeigen sich die Stimmberechtigten aufgeschlossen.

Parteien gewinnen an Vertrauen

Das Vertrauen in Behörden und Institutionen bleibt nach einem deutlichen Anstieg im letzten Jahr unverändert stark. Polizei und Gerichte erreichen auf einer Skala von eins bis zehn mit 7,6 beziehungsweise 7,1 Punkten die höchsten Werte. Am wenigsten Vertrauen geniessen Medien und politische Parteien (je 5,3). Letztere weisen als einzige Institution einen signifikanten Vertrauensgewinn aus.

Auch an der Haltung der Bevölkerung zur Armee im Allgemeinen hat sich nichts geändert - 72 Prozent halten sie mehrheitlich für notwendig. Nur 17 Prozent glauben, das Militär könnte ruhig abgeschafft werden. Je älter und je rechtsstehender die Befragten sind, desto stärker fällt die Unterstützung für die Armee aus.

Milizarmee im Aufwind

Markant gewandelt hat sich hingegen das Verhältnis zur Milizarmee und zur allgemeine Wehrpflicht, über deren Zukunft am 22. September aufgrund einer GSoA-Initiative an der Urne entschieden wird.

Die Milizarmee hat mit 56 Prozent Zustimmung (Plus 4 Prozent) gegenüber der Berufsarmee (37Prozent / Minus 6 Prozent) deutlich Boden gut gemacht. Aktuell möchte nur noch jeder Dritte Befragte auf die allgemeine Wehrpflicht verzichten. 2012 war es noch fast die Hälfte. Bei den 18- bis 29-Jährigen stimmen allerdings 50 Prozent für die Abschaffung.
85 Prozent der Befragten finden im übrigen, dass auch eingebürgerte junge Wehrdienst leisten sollten. Bezüglich der Höhe des Verteidigungsbudgets sind die Meinungen geteilt. Was alternative Modelle betrifft, so zeigte sich, dass eine obligatorische Dienstpflicht für Männer mit freier Wahl zwischen Militär-, Zivil- oder Sozialdienst im Volk eine deutliche Mehrheit fände.

Die Studie «Sicherheit 2013» wurde von der Militärakademie und dem Center for Security Studies der ETH Zürich durchgeführt. Sie basiert auf einer Erhebung, bei der Anfang Jahr 1200 Stimmberechtigte in allen Sprachregionen befragt wurden.

(jev/vst/sda)

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