Die Parlamentswahl in Pakistan wird von Gewalt überschattet. Die Opferzahl des Sprengstoffanschlags in der südpakistanischen Wirtschaftsmetropole Karachi stieg am Samstagmorgen an: Mindestens 11 Menschen wurden laut Spitalangaben getötet, 36 weitere verletzt.

Ziel sei ein Büro der säkularen, paschtunischen Regionalpartei ANP gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die Bombe explodierte in der Nähe eines Wagens, in dem ANP-Kandidat Amanullah Mehsud unterwegs war. Letzterer blieb nach Polizeiangaben unverletzt. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Angriff.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Sprengsatz auf Motorrad deponiert

In der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar wurden bei einem Bombenanschlag nahe eines Wahllokals zudem acht Menschen verletzt, wie der Chef des Lady-Redding-Spitals, Iqbal Afridi, sagte. Der Sprengsatz war offenbar auf einem Motorrad deponiert, das nahe einem für Frauen vorgesehenen Wahlbüro geparkt war.

Informationsminister Arif Nizami verurteilte die Gewalt. «Leider ist sie erwartet worden», sagte er. Die ANP und andere weltliche Parteien waren im Wahlkampf immer wieder von den pakistanischen Taliban (TTP) angegriffen worden.

Die TTP hält die Wahl für «unislamisch». Bei Anschlägen gegen Parteiveranstaltungen und Kandidaten wurden seit April mehr als 120 Menschen getötet.

Lange Schlangen vor Wahllokalen

Die Beteiligung an der Wahl, die unter schwersten Sicherheitsvorkehrungen stattfindet, war trotz der angespannten Lage offenbar rege. Der Chef der Wahlkommission, Fakhruddin Ibrahim, sprach von «langen Schlangen von Männern und Frauen» vor den Wahllokalen. «Ich denke, es ist ein positiver Tag für das Land.»

Ibrahim appellierte an die Menschen, abzustimmen. «Wenn Sie Ihre Zukunft neu bestimmen wollen, dann müssen Sie wählen gehen.» Auch auf Fernsehbildern war zu sehen, wie sich lange Schlangen bildeten.

In der Garnisonsstadt Rawalpindi gab Armeechef Ashfaq Parvez Kayani seine Stimme ab, was als symbolisches Bekenntnis zur Demokratie gewertet wurde. Das Militär hat in Pakistan etwa die Hälfte der Zeit seit der Unabhängigkeit 1947 geherrscht.

Bis 17.00 Uhr (Ortszeit/14.00 MESZ) sind mehr als 86 Millionen Bürger der südasiatischen Atommacht aufgerufen, über die Vergabe von 272 Parlamentssitzen zu entscheiden. Aussagekräftige vorläufige Ergebnisse werden am Sonntag erwartet.

(aho/sda)