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Schwieriger Wiederaufbau von Nepal

Nepal: Die Aufnahme datiert auf Ende Mai – sechs Wochen nach dem Beben. Keystone

Das Beben im April hat Tausende das Leben gekostet und noch viele mehr zu Obdachlosen gemacht. Aber auch ein halbes Jahr nach der Katastrophe kommt der Wiederaufbau in Nepal nur langsam voran.

Veröffentlicht am 25.10.2015

Ein halbes Jahr nach dem gewaltigen Himalaya-Erdbeben beklagen Hilfsorganisationen fehlende Vorgaben von Nepals Regierung für den notwendigen Wiederaufbau. Bei dem Beben am 25. April waren rund 9000 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 600'000 Häuser wurden zerstört.

«Legal können wir keinen Stein auf den anderen setzen», sagte ein Koordinator der Diakonie Katastrophenhilfe. Auch andere Organisationen wie das Rote Kreuz und das UNO-Kinderhilfswerk Unicef konzentrieren sich derzeit auf die Verteilung von Hilfsgütern und die Errichtung vorübergehender Unterkünfte und Schulen.

Harter Winter

Dabei steht der Winter vor der Tür. Wahrscheinlich könne erst im kommenden Jahr mit dem Bau permanenter Häuser begonnen werden, sagte am Sonntag Matthias Bryneson, Landesdirektor von Plan International. Nach Schätzungen von UNICEF sind noch rund 400'000 Menschen nicht ausreichend auf den Winter vorbereitet.

Nepals Parlament war in den vergangenen Monaten vor allem mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung beschäftigt. Während dieser politischen Grabenkämpfe, bei denen auch Stühle flogen, gelang es den Abgeordneten nicht, die Pläne für den Wiederaufbau voranzutreiben. Eine spezielle Behörde, welche die Vorgaben für den Häuserbau machen und Gelder verteilen sollte, wurde vom Parlament bislang nicht eingesetzt.

Langsame Geldgeber

Die internationale Gemeinschaft hatte Nepal auf einer Geberkonferenz im Juni fast vier Milliarden Euro für den Wiederaufbau versprochen. Es sei normal, dass es von der Zusage bis zur Umsetzung einige Monate dauere, sagt Swarnim Waglé, Mitglied der Nationalen Planungskommission Nepals. Vor allem die Kredite der Asiatischen Entwicklungsbank und Weltbank würden bald ankommen. «Viele Geldgeber sind auch sehr langsam», sagte er.

Damit jeder Erdbeben-Geschädigte in Nepal die gleichen Leistungen bekomme, seien nationale Standards wichtig, erklärte Michael Frischmuth, Projektverantwortlicher der Diakonie in Nepal. Die Häuser müssten zum Beispiel erdbebensicher sein und sollten mit lokalen Materialen gebaut werden. Alle warteten auf die Vorgaben. «Wir haben die Blaupausen in der Schublade», sagte er.

Nepalesen machen Schulden

Zahlreiche Nepalesen wollen nicht mehr warten und haben längst selbst mit dem Wiederaufbau begonnen – und sich dabei oft verschuldet. Einige Hilfsorganisationen sind dazu übergegangen, den Menschen kleine Geldbeträge auszuzahlen, damit sie selbst Einiges kaufen können. Andere geben Saatgut für Gemüse und Getreide sowie Hygiene-Artikel, ausserdem Werkzeuge, Wellblech und Isoliermaterial für die Hütten.

Eine Schwierigkeit ist für viele Organisationen auch der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Nepal gehört zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Die meisten Nepalesen sind Bauern. Viele junge Fachkräfte arbeiten in den Golfstaaten auf dem Bau.

Proteste im Süden Nepals

Wegen der umstrittenen Verfassung protestieren im Süden Nepals mehrere Bevölkerungsgruppen und blockieren die Strassen nach Indien. Deswegen herrscht seit Wochen Benzinknappheit, was die Hilfslieferungen erschwert.

«Wir können kaum noch irgendwohin fahren», sagte Dibya Raj Poudel vom Roten Kreuz in Nepal. Die Malteser International berichteten, Lastwagen mit ihren Baumaterialien stünden seit Wochen an der Grenze in kilometerlangen Staus.

(sda/ise)

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