Seit Jahresanfang sind mach Angaben von Aktivisten in Kolumbien 35 Menschenrechtler getötet worden. 30 von ihnen seien von Auftragsmördern umgebracht worden, teilte die Nichtregierungsorganisation Somos Defensores mit.

Die meisten Morde wurden demnach in den Provinz Cauca im Westen und im nordwestlichen Antioquia verübt. Im ersten Halbjahr 2015 waren den Angaben zufolge 34 Aktivisten getötet worden.

Kriminelle Banden von Ex-Paramilitärs

Laut dem Bericht wurden insgesamt 314 Menschenrechtsaktivisten in den ersten sechs Monaten 2016 Opfer von gewaltsamen Übergriffen und damit 21 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Mehrzahl der Betroffenen treten für die Rechte der indigenen Bevölkerung, von Schwarzen und Bauern ein oder kämpfen für die Interessen ihrer Gemeinde.

Als Hauptverantwortliche der Angriffe gelten nach Angaben von Somos Defensores kriminelle Banden, die sich aus ehemaligen Paramilitärs rekrutieren.

Mit Bäumen der Opfer gedenken

Im Gedenken an die vielen Opfer jahrzehntelanger Gewalt will Kolumbien mehr als acht Millionen Bäume pflanzen. Präsident Juan Manuel Santos pflanzte am Freitag in Mitú in der Provinz Vaupés den ersten Baum für die Aktion «Wälder des Friedens». Seine Regierung hatte im Juni einen dauerhaften Waffenstillstand mit der linken Guerillaorganisation (Farc) geschlossen.

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Die Bäume für die «Wälder des Friedens» sollen im ganzen Land wachsen, wie Santos ankündigte. Menschen in der ganzen Welt könnten über die Website der Nichtregierungsorganisation «Saving the Amazon» die Patenschaft für einen Baum übernehmen.

«Eine Person in Paris, in New York, in Bogotá oder hier, in Mitú, kann auf die Website gehen, für 20 Dollar einen Baum finanzieren und der virtuelle Eigentümer werden», erklärte der Präsident. Verwaltet und gepflegt werden sollen die Wälder demnach von den Ureinwohnern.

«Wir werden mehr als acht Millionen Bäume im Gedenken an die Opfer pflanzen, damit sich die Gräueltaten, die dieser bewaffnete Konflikt, dieser Krieg gebracht hat, nicht wiederholen», sagte Santos. Jeder Baum solle den Namen eines Opfers tragen.

Kolumbien wird seit Jahrzehnten von einem bewaffneten Konflikt zwischen linken Rebellen, Paramilitärs, Drogenmafia und Armee erschüttert. Mehr als 260'000 Menschen wurden getötet, 6,9 Millionen weitere wurden vertrieben. Die Farc verhandeln derzeit mit der Regierung über ein Friedensabkommen, das in Kürze unterzeichnet werden soll.

(sda/chb)