Ukrainische Regierungstruppen haben im Osten des Landes einen Angriff gestartet. Das bestätigte Innenminister Arsen Awakow am Freitag. Nahe der ostukrainischen Stadt Slawjansk waren am Freitagmorgen Gewehrschüsse und heftige Explosionen zu hören gewesen.

Bei den Gefechten sind nach Regierungsangaben zwei Militärhelikopter abgeschossen worden. Prorussische Kämpfer hätten die Armeehelikopter vom Typ Mi-24 mit Raketenwerfern beschossen. Zwei ukrainische Soldaten seien getötet worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Mehrere weitere seien verletzt worden. Innenminister Awakow hatte zuvor von einem abgeschossenen Helikopter und einem getöteten Piloten gesprochen.

Der prorussische Milizenführer Wjatscheslaw Ponomarjow sprach ebenfalls von zwei abgeschossenen Helikoptern. Auch er sagte der Nachrichtenagentur Interfax sagte, wurde einer der Piloten getötet, der andere konnte fliehen.

Slawjansk umstellt

Ukrainische Soldaten übernahmen seinen Angaben zufolge die Kontrolle über neun Kontrollpunkte der Milizen. Slawjansk ist demnach umstellt. Er forderte die Einwohner von Slawjansk und Kramatorsk auf, zu Hause zu bleiben.

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Die Übergangsregierung in Kiew forderte die Separatisten auf, die von ihnen festgehaltenen Geiseln freizulassen, ihre Waffen niederzulegen und besetzte Gebäude zu räumen. Die ukrainische Armee habe es in der Ostukraine mit «professionellen Söldnern» zu tun, teilte Innenminister Awakow mit. Die ukrainischen Spezialkräfte würden mit Raketenwerfern und anderen «schweren Waffen» angegriffen.

OSZE-Beobachter in Slawjansk festgehalten

Slawjansk wird seit mehr als zwei Wochen von Gegnern der Übergangsregierung in Kiew kontrolliert. Diese warnten seit Tagen vor einem Angriff der ukrainischen Armee. Seit einer Woche halten «Bürgermeister» Ponomarjow und seine Kämpfer dort mehrere Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) fest, darunter vier Deutsche.

In der Ostukraine werden mittlerweile mehr als ein Dutzend Städte von prorussischen Kräften kontrolliert. Diese lehnen die nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch gebildete ukrainische Regierung ab und fordern eine föderative Lösung für das Land mit mehr Autonomie für die überwiegend russischsprachigen Gebiete bis hin zu einer Eingliederung in die Russische Föderation - wie mit der Schwarzmeerhalbinsel Krim geschehen.

Russland übt Kritik

Der Angriff durch die ukrainische Armee trifft auf Missfallen: Die russische Regierung hat die Aktion scharf kritisiert. Der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, wertete den Angriff am Freitag als einen Verstoss gegen das Genfer Abkommen.

Während sich Russland um eine Deeskalation und eine Entschärfung des Konflikts bemühe, setze die Übergangsregierung in Kiew Luftstreitkräfte gegen «friedliche Siedlungen» ein, sagte Peskow laut Berichten russischer Nachrichtenagenturen. Mit dem «Vergeltungsangriff» sei die «letzte Hoffnung» auf eine Umsetzung der Genfer Vereinbarungen zunichte gemacht worden.

(awp/sda/reuters/chb/me/sim)