Serbien hat die Schweiz formell um die Auslieferung des Ex-Kommandanten der bosnisch-muslimischen Streitkräfte in der Region Srebrenica ersucht. Naser Oric, der wegen Kriegsverbrechen gesucht wird, war am 10. Juni beim Grenzübergang Thônex GE festgenommen worden.
Dem Auslieferungsgesuch liegt eine Liste der Staatsanwaltschaft bei mit mutmasslichen Kriegsverbrechen, die Naser Oric zur Last gelegt werden. Das teilte die serbische Nachrichtenagentur Tanjug unter Berufung auf das Justizministerium mit.

Der Angeklagte hat bereits am 11. Juni angekündigt, dass er sich einer möglichen Auslieferung widersetze. In einer Mitteilung des muslimischen Bürgermeisters von Srebrenica, Camil Durakovic, der Oric in der Schweiz im Gefängnis besuchte, wird der Ex-Kommandant zitiert, dass er sich niemals lebend nach Serbien begeben werde.

Oric soll 1992 Kriegsverbrechen begangen haben

Oric war aufgrund eines Haftbefehls angehalten worden, den Serbien im vergangenen Jahr ausgegeben hatte. Der 48-Jährige wird verdächtigt, im Juli 1992 zusammen mit vier weiteren Personen Kriegsverbrechen in der Ortschaft Zalazje im Osten Bosniens, unweit von Sarajevo, begangen zu haben. Dabei wurden neun Personen getötet.

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Der Ex-Kommandanten war 2006 vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) wegen Kriegsverbrechen zunächst zu zwei Jahren Haft verurteilt worden, weil er in zwei Fällen Morde und Misshandlungen nicht verhindert habe. Im Berufungsverfahren wurde er aber 2008 von den Vorwürfen freigesprochen.

Das Bundesamtes für Justiz muss nun prüfen, ob die Vorwürfe Serbiens sich von der Anklage des Haager Tribunals unterscheiden. Nach internationalem Recht darf Oric nicht ein zweites Mal wegen der bereits verhandelten Vorwürfe vor Gericht gestellt werden.

(sda/me/ama)