Nach dem Skandal um Orgien von Beamten mit von Drogenkartellen bezahlten Prostituierten tritt die Leiterin der US-Drogenbekämpfungsbehörde (DEA) zurück. Michele Leonhart gebe ihren Chefposten bei der DEA Mitte Mai ab, teilte US-Justizminister Eric Holder mit.

Holder würdigte die Verdienste Leonharts, die die Behörde seit 2007 geleitet hatte. Als erste Frau auf dem Posten sei die 59-Jährige «eine Wegbereiterin für Gleichberechtigung und eine Inspiration für unzählige andere» gewesen.

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Sex-Orgien von Drogenkartellen bezahlt

Die DEA war unter Druck geraten, nachdem Ende März in einem Bericht des Justizministeriums enthüllt worden war, dass US-Drogenfahnder sich von Rauschgiftkartellen Sexpartys hatten bezahlen lassen. Sieben Drogenfahnder gaben demnach ihre Teilnahme an den Partys zu. Sie wurden mit Disziplinarstrafen belegt.

Der Bericht macht keine genauen Angaben zum Ort, nach Informationen der «Washington Post» fanden die Feiern aber in Kolumbien statt. Über Jahre hätten kolumbianische Drogenfahnder demnach für ihre US-Kollegen in deren von der US-Regierung angemieteten Wohnungen Partys mit Prostituierten organisiert.

Skandal vor drei Jahren als Auslöser

Die DEA-Agenten hätten laut US-Justizministerium wissen müssen, dass die Prostituierten von den örtliche Kartellen bezahlt würden. Kolumbianische Polizisten sagten ausserdem aus, dass mindestens drei DEA-Agenten in Führungspositionen Geld, Geschenke und Waffen von Kartellmitgliedern erhalten hätten.

Das Justizministerium hatte die Untersuchung nach einem Skandal um Agenten des Secret Service gestartet: Mehrere Personenschützer sollen im April 2012 Prostituierte in ihr Hotel im kolumbianischen Cartagena eingeladen haben, während sie eigentlich die Teilnahme von US-Präsident Barack Obama an einem Gipfeltreffen vorbereiten sollten. Wegen der Vorwürfe mussten mehrere Mitarbeiter ihre Posten räumen.

In einem Memo appellierte Holder diesen Monat an die 113'000 Mitarbeiter seines Ministeriums, nicht mit Prostituierten zu verkehren.

Nicht immer auf Obamas Linie

Leonhart hatte bei der Drogenbekämpfung oft unterschiedliche Auffassungen als Präsident Barack Obama. Im Gegensatz zu Obama war sie laut «New York Times» beispielsweise gegen die Legalisierung von Marihuana in US-Bundesstaaten wie Colorado und Washington.

Zugleich lehnte sie einen Vorstoss zur Reduzierung der Strafen für Gebrauch und Verkauf von Marihuana ab. Der Hauptgrund für Leonharts Rücktritt scheint aber ihr Umgang mit dem Prostitutionsskandal zu sein.

Der Zeitung zufolge könnte nun im US-Kongress ein Streit um die Nachfolge an der Spitze de der DEA entbrennen. Einige liberale Demokraten forderten Obama bereits auf, einen Nachfolger zu nominieren, der die neue Politik gegenüber weichen Drogen unterstützt. Konservative Kongressabgeordnete seien hingegen strikt gegen eine Liberalisierung der Drogenpolitik.

(sda/dbe/ama)