In der ersten Rede eines japanischen Regierungschefs vor dem US-Kongress hat Shinzo Abe «tiefe Reue» für die Verbrechen seines Landes im Zweiten Weltkrieg gezeigt. Ausserdem würdigte die im Zweiten Weltkrieg getöteten US-Soldaten.

«Unser Handeln hat den Bevölkerungen in asiatischen Ländern Leid zugefügt», sagte Abe am Mittwoch bei einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus. Der als strammer Nationalist geltende Ministerpräsident sagte, sein Land dürfe vor den Verfehlungen der Vergangenheit nicht die Augen verschliessen.

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Keine Entschuldigung an Zwangsprostituierte

Abe entschuldigte sich allerdings nicht ausdrücklich für die Zwangsprostitution durch die japanische Armee. Nach Schätzungen von Historikern wurden etwa 200'000 Frauen aus Korea, China, Indonesien, den Philippinen und Taiwan gezwungen, japanischen Soldaten in Militärbordellen zu Diensten zu sein. Das Schicksal dieser in Japan beschönigend «Trostfrauen» genannten Sexsklavinnen belastet bis heute das Verhältnis Tokios zu seinen Nachbarstaaten.

Auf Einladung des Abgeordneten Mike Honda wohnte die 87-jährige Lee Yong Soo der Rede bei, die einst zur Prostitution gezwungen worden war. Honda erklärte, es sei «schockierend und beschämend», dass Abe der Verantwortung seiner Regierung für die von der Armee des japanischen Kaiserreichs begangene «systematische Grausamkeit» ausweiche. Nach einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama am Dienstag hatte Abe erklärt, dass ihn das «unermessliche» Leid der Zwangsprostituierten «zutiefst schmerzt».

Getötete US-Soldaten gewürdigt

Japan gedenkt wie Deutschland in diesem Jahr des 70. Jahrestags seiner Kapitulation im Zweiten Weltkrieg. Vor seiner Rede im Kongress legte der japanische Ministerpräsident am Denkmal für die in dem Krieg getöteten US-Soldaten auf der National Mall im Herzen Washingtons einen Kranz nieder. «Im Namen Japans und des japanischen Volkes spreche ich mit tiefstem Respekt mein ewiges Beileid für die Seelen aller Amerikaner aus, die während des Zweiten Weltkriegs verloren gingen», sagte er später vor dem Kongress. Die Abgeordneten und Senatsmitglieder reagierten mit tosendem Applaus.

Abe warb in seiner Rede auch für das geplante Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Japan und zehn weiteren Ländern des Pazifikraums. Der Deal, der in den USA der Zustimmung von Repräsentantenhaus und Senat bedarf, werde nicht nur «wirtschaftliche Vorteile» schaffen, sondern sei auch von «langfristigem strategischem Wert».

USA auf Seiten Japans

Bei dem Washington-Besuch des japanischen Regierungschefs ging es auch um eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit beider Länder. Obama hatte bei der gemeinsamen Medienkonferenz am Dienstag im Weissen Haus versichert, dass die Allianz nicht gegen das aufstrebende China gerichtet sei.

Allerdings machte der Präsident deutlich, dass die USA im Streit um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer an der Seite Japans stehen. Die von Tokio kontrollierten unbewohnten Inseln werden auf Japanisch Senkaku-Inseln, auf Chinesisch Diaoyu-Inseln genannt und von beiden Ländern beansprucht.

Ausserdem erklärte Obama, er teile die japanische Sorge wegen der Gebietsansprüche Pekings im Südchinesischen Meer. China schafft dort mit Erdaufschüttungen auf von mehreren Ländern beanspruchten Korallenriffen territoriale Fakten. Auf Satellitenbildern ist zu sehen, dass China auf einer künstlichen Insel sogar eine Start- und Landebahn für Flugzeuge baut.

(sda/ise)