Der Bundesrat weitet die Ventilklausel nun auf die alten EU-Länder aus, also auch auf Länder wie Deutschland oder Italien. Sind Sie enttäuscht?
Thomas Daum: Der Entscheid ist nicht nach unserem Gusto. Er hat zur Folge, dass Firmen länger auf Bewilligungen warten müssen und dass der bürokratische Aufwand in den Kantonen zunimmt. Daher hätten wir darauf verzichtet. Aber die Massnahme ist auch keine Katastrophe.

Warum?
Die Massnahme läuft ja sowieso nur ein Jahr. Im Juni 2014 wird der Arbeitsmarkt für die EU-8-Länder so oder so völlig geöffnet. Das sehen die bilateralen Verträge mit der EU vor. Deshalb hätten wir nun nicht noch etwas getan, das der EU nicht besonders gefallen wird.

Sie erwarten negative Reaktionen aus Europa?
Der Schweiz steht ja ganz klar das Recht zu, die Ventilklausel anzuwenden. Aber mit der Inanspruchnahme schafft sie sich nun sicherlich keine Freunde. Gerade jetzt, wo das Verhältnis mit der EU schwierig ist, hätten wir darauf verzichtet.

Was bedeutet die Massnahme für die Schweizer Wirtschaft?
Die Anrufung der Ventilklausel wirkt sicherlich wie Sand im Getriebe. Vor allem Firmen, die kurzfristig disponieren und doch länger laufende B-Bewilligungen brauchen, werden Mühe haben.

Kann es auch messbare konjunkturelle Auswirkungen haben?
Das glaube ich nicht.

Anzeige

Gibt es bereits Firmen, die sich schon auf den Schritt einstellten?
Vor allem Spitäler machen sich schon Gedanken. Von einzelnen Unternehmen hörte ich auch, dass sich Kandidaten aus dem Ausland bereits vorher bei ihnen meldeten. Sie waren alleine durch die Diskussion verunsichert. Das sind aber Anekdoten.

Befürchten sie einen Imageschaden für das Land?
Man muss sich schon fragen, ob sich die Einführung von Kontingenten für ein Jahr lohnte. Die Öffnung des Arbeitsmarktes gegenüber der EU war ganz sicher eine der besten Massnahmen zur Standortförderung der letzten Jahre. Die Schlagzeilen in der ausländischen Presse sind nach Anrufung der Ventilklausel absehbar. Das ist sicherlich keine gute Reklame.