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SNB-Chef Jordan stellt sich gegen Vollgeld

Thomas Jordan: Sieht in der Vollgeldinitiative eine Gefahr für das Finanzsystem. Keystone

Die Vollgeld-Initiative fordert einen radikalen Systemwechsel bei der Geldschöpfung. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank sieht eine Gefahr im Begehren.

Veröffentlicht am 29.04.2016

Nationalbankpräsident Thomas Jordan hat der Vollgeld-Initiative an der Generalversammlung am Freitag eine deutliche Absage erteilt. Ein Vollgeldsystem bestehe heute in keinem Land und würde einen radikalen Umbau des heutigen Finanzsystems bedingen.

Er bezeichnete Vollgeld als ein unnötiges und gefährliches Experiment. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) teile die Bedenken des Bundesrats, der die Initiative ohne Gegenentwurf abgelehnt hatte. Die Initiative wurde im Dezember eingereicht. Sie verlangt die Schaffung von Zahlungsverkehrskonten für Haushalte und Unternehmen, die von den Banken ausserhalb ihrer Bilanzen geführt werden müssten, wie dies heute bei Wertschriftendepots der Fall ist.

Keine Zweifel an Sicherheit

Diese Konten wären vollständig durch Geld der Nationalbank unterlegt. Die Vorstellung dabei ist, dass dies Bankpaniken verhindern und damit die Stabilität des Bankensystems erhöhen würde. Eine Bankpanik trete typischerweise dann auf, wenn Kunden befürchten, dass ihre Bank die Einlagen nicht mehr auszahlen können, erklärte Jordan.

Da die Zahlungsverkehrskonten in einem Vollgeldsystem mit Geld der Nationalbank unterlegt wären, könnten an der Sicherheit dieser Einlagen keine Zweifel mehr aufkommen. Allerdings bedeute dies nicht, dass das Finanzsystem als Ganzes stabiler würde, gab Jordan zu bedenken. So könne das Vollgeldsystem zum Beispiel Finanzblasen nicht verhindern, denn diese beruhten in erster Linie auf Fehleinschätzungen von Investoren.

Schaden für Finanzplatz

Die Vollgeldinitiative würde die Finanzierung solcher fehlgeleiteter Investitionen laut Jordan zwar etwas erschweren, aber nicht unterbinden. «Eine bessere Kapitalisierung der Banken, wie wir sie unterstützt haben, trägt wesentlich mehr zu einem stabileren Finanzsystem bei als das Vollgeld», sagte der SNB-Präsident.

Nach Ansicht der Landesregierung würde der Umbau des heutigen Geldsystems zu grosser Verunsicherung führen, könnte den Finanzplatz gefährden und damit der Schweiz als Ganzes schaden, sagte Jordan. Der Bundesrat befürchtet auch, dass das Vollgeldsystem die Kreditvergabe beeinträchtigen würde und dass die geldpolitische Handlungsfähigkeit der SNB eingeschränkt werden könnte.

Das zweite Element der Vollgeldinitiative sei die sogenannt schuldfreie Schaffung von neuem Zentralbankgeld, erklärte Jordan. Geld käme in Umlauf, indem die SNB es dem Bund, den Kantonen oder direkt den Bürgern sozusagen schenken würde. Eine derartige Geldzuteilung würde einer «Verpolitisierung» der Geldpolitik Vorschub leisten, warnte der SNB-Präsident.

(sda/ise/hon)

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