1. Home
  2. Politik
  3. SNB-Präsidium: SP läuft gegen Thomas Jordan Sturm

SNB-Präsidium: SP läuft gegen Thomas Jordan Sturm

Thomas Jordan wird von der Linken ins Visier genommen. (Bild: Keystone)

Thomas Jordan galt als der Kronfavorit für die Nachfolge des zurückgetretenen SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand. Doch plötzlich soll wieder alles anders sein. So macht die SP gegen Thomas Jordan mobi

Veröffentlicht am 19.02.2012

 

Der Fall ist eigentlich klar: Thomas Jordan soll neuer Präsident der Nationalbank (SNB) werden. Philipp Hildebrands früherer Stellvertreter schien weitgehend unbestritten. Ein Bundesratsmitglied sagte noch Ende Januar zum «Sonntag»: «Voraussichtlich werden wir ihn schon im Februar zum Präsidenten wählen.»

Doch seit Freitagabend ist die «schnelle Lösung» infrage gestellt. Wieder ist es ein seltsames Communiqué des Bankrats, und wieder wurde es an einem Freitagabend um 17.30 Uhr verschickt. Wie am 23. Dezember, als die Affäre Hildebrand ihren Lauf nahm. Der Bankrat teilte darin mit, dass die Neubesetzung des vakanten dritten Direktoriumspostens bis April andauern werde. «Im Moment» werde eine «Longlist» möglicher Kandidaten erstellt. Da der Bundesrat die beiden Geschäfte – die Wahl des dritten Direktoriumsmitglieds und die Wahl des Präsidenten – verknüpft hat, muss sich Jordan somit gedulden.

SP-Bundesrat Berset zögert 

Es ist rätselhaft, weshalb es so lange dauert, die Stelle neu zu besetzen. Das Zaudern ist für Jordan heikel. Bislang wurde zumindest öffentlich keine nennenswerte Kritik an ihm laut. «Reihen schliessen», hiess die Losung nach Hildebrands Abgang. Jetzt, wo niemand mehr eine Destabilisierung der SNB ausmacht, wird von links erstmals Stimmung gemacht gegen Jordan. 

Neo-SP-Bundesrat Alain Berset persönlich meldete im Gespräch mit Vertrauten Vorbehalte gegenüber Jordan an. Das bestätigen gegenüber dem «Sonntag» zwei Quellen. Pikant: Berset soll nicht der einzige Bundesrat sein, der vom Interimschef «wenig begeistert» ist. Wie fragil plötzlich alles ist, zeigt die Irritation in der SP über einen Nebensatz in der neuen «Weltwoche». Diese lobt Jordan für das «Verdienst», «die Euro-Fehlkonstruktion früh entlarvt zu haben».

Wer wird der dritte Mann?

Auch wird sein Auftritt vor der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer kritisiert. Dort verteidigte Jordan die Kurs-Untergrenze von 1.20; die Linken aber wollen 1.30 oder sogar 1.40. Darüber verlor Jordan kein Wort. Ein einflussreicher Sozialdemokrat nennt den Namen von Serge Gaillard, dem Arbeitsmarktchef im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), als «besseren SNB-Präsidenten». Gaillard war nicht erreichbar. Er soll aber offenbar kein Interesse am Job haben. Ebenso wenig wie der Chef der Eidgenössischen Finanzverwaltung, Fritz Zurbrügg.

Anzeige