Der ehemalige deutsche Bundesbanker und umstrittene Bestseller-Autor Thilo Sarrazin hebt den Zeigefinger auch Richtung Schweiz: Er warnt vor Risiken infolge der Anbindung des Frankens an den Euro. Gegenüber der Zeitung «Der Sonntag» sagt er zum Mindestkurs von 1.20: «Der Kurs lässt sich natürlich aufrechterhalten, es fragt sich nur, welchen Preis man dafür zu zahlen bereit ist.»

Die Nationalbank habe aber immerhin den Vorteil, «dass sie für die Käufe von Euro ihre eigene Währung einsetzt, die sie unbegrenzt vermehren kann.» Die Anbindung des Frankens an den Euro (Mindestkurs 1.20) im vergangenen September geschah unter der Annahme, dass der Franken überbewertet ist und dass sich der Euro wieder erholen würde. Nun aber ist der Euro stärker in der Krise denn je, er hat jüngst gegenüber dem Dollar und dem Yen klar verloren. Um den Kurs zu halten, hat die SNB laut «Sonntag» massiv an den Devisenmärkten interveniert.

Sarrazin sagt: «Etwaige Verluste der Schweizerischen Nationalbank auf ihre Euro-Bestände sind reine Buchverluste, die Euro wurde ja quasi mit frisch gedruckter eigener Währung angekauft. Viel wichtiger erscheint mir die Frage, ob nicht die durch die Euro-Ankäufe bewirkte Vermehrung des Frankenumlaufs doch irgendwann inflationär wirkt.»

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Trotz aller Risiken hält Sarrazin die Nationalbank für privilegiert: «Die Schweizerische Nationalbank ist jedenfalls handlungsfähiger als die Deutsche Bundesbank, die der viel zu lockeren Geldpolitik der EZB nicht nur ohnmächtig zuschauen muss, sondern sogar noch zu deren Mitvollzug verpflichtet ist.» Die Schweiz könne «sich glücklich schätzen, nicht Teil des Euroraums zu sein.»

(chb)