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SNB übermittelte US-Gelder in den Iran

Notenbank: Als Finanzdrehscheibe für US-Gelder. Keystone

Die Vermittlerrolle der Schweiz zwischen den USA und Iran ist umfassend: Zweimal hat die Schweizerische Notenbank 2016 Millionenbeträge aus den USA in das lange isolierte Land geliefert.

Von Stefan Barmettler
am 08.02.2017

Bei einem Geiseltausch und einer Schuldbegleichung zwischen Iran und den USA im Januar 2016 spielte die Schweizerische Nationalbank eine zentrale Rolle. Die SNB lieferte aus ihrem Berner Hauptsitz eine Banknotensendung im Wert von 400 Millionen Dollar, bestätigen Recherchen der «Handelszeitung». Das Geld war ihr zuvor von der Federal Reserve Bank von New York überwiesen worden.

Anschliessend wurde das Geld in Franken- und Euro-Noten gewechselt und auf einer Palette an den Flughafen Genf geliefert. Als drei befreite US-Geiseln im Schweizer Bundesratsjet den iranischen Luftraum verlassen hatten, wurde die Palette mit den Banknoten Vertretern der Iranischen Zentralbank übergeben und in eine iranische Regierungsmaschine geladen.

Vorauszahlung für Waffenkäufe

Das Geld – eine Vorauszahlung der Iraner für Waffenkäufe in den USA – war nach der iranischen Revolution 1979 durch die USA blockiert worden. Die monatelange Vermittlungsarbeit der Schweizer Diplomatie 2015 und 2016 war der Grund, weshalb US-Aussenminister John Kerry Amtskollege Didier Burkhalter am WEF 2016 überschwänglich begrüsste.

Bereits Mitte 1996 diente die SNB als Clearing-Stelle zwischen den Erzfeinden USA und Iran. 1988 hatte ein US-Kriegsschiff einen Airbus der Iran Air auf dem Weg nach Dubai irrtümlicherweise abgeschossen; 290 Passagiere kamen ums Leben. Nach achtjährigen Verhandlungen willigten die USA ein, Iran 61 Millionen Dollar Entschädigung zu zahlen. Auch dieser Geldtransfer wurde via SNB und der Federal Reserve Bank in New York abgewickelt. Die Schweiz hat seit der Iran-Krise ein Schutzmachtmandat der USA.

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