Nachdem die Schweizerischen Nationalbank (SNB) im September die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandproduktes im laufenden Jahr von rund 1,5 auf 1,0 Prozent gesenkt hat, habe die Abschwächung vermutlich noch etwas zugenommen. Nun verschlechtere sich auch die Beschäftigungslage, sagte Zurbrügg in dem Interview.

Dass die SNB mit einem Leitzins nahe Null und mit dem Euro-Mindestkurs ihre Interventionsmöglichkeiten bereits ausgeschöpft hat, bestritt Zurbrügg: »Wenn wir die Gefahr sehen, dass sich die Lage verschlechtert und zusätzliche Massnahmen erforderlich werden, um unser geldpolitisches Ziel zu erreichen, so werden wir das auch tun.» Details nannte er jedoch nicht.

Die Schweizer Unternehmen hätten mit Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen viel erreicht, um wettbewerbsfähig zu bleiben. «Je nach Szenario kann man sich jedoch Entwicklungen vorstellen, in denen der Druck noch signifikant zunimmt - gerade bei Branchen, die jetzt schon am Anschlag sind», sagte Zurbrügg, der im September von der Eidgenössischen Finanzverwaltung zur SNB gekommen ist.

Ein stark negativer Einfluss auf die Weltwirtschaft und damit auch auf die exportorientierte Schweizer Unternehmen hätte eine Eskalation des Streits über das Staatsdefizit in den USA («fiscal cliff»). Zurbrügg geht aber nicht davon aus, dass es so weit kommt.

«Selbst wenn es bis zum 1. Januar noch keine Einigung geben sollte, besteht die Möglichkeit, nachträglich Korrekturen vorzunehmen», sagte Zurbrügg zur «NZZ am Sonntag». Allerdings bereitet auch ihm die hohe Staatsverschuldung der USA «grosse Bauchschmerzen». Diese müsse dringend reduziert werden. Die USA sei eines der Länder mit dem grössten Konsolidierungsbedarf weltweit.

(tke/sda)

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