Der US-Informant Edward Snowden bemüht sich nach Angaben von Wikileaks auch in der Schweiz um politisches Asyl. Einer von der Enthüllungsplattform veröffentlichten Liste zufolge beantragte der 30-Jährige in insgesamt 21 Ländern Asyl als politischer Flüchtling. 

Dazu gehören neben der Schweiz weitere europäische Länder wie Deutschland, Österreich, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Irland, Norwegen, Polen und Spanien. Neben den bekannten Anträgen auf Asyl in Russland und Ecuador habe sich Snowden auch um Aufnahme in China, Bolivien, Brasilien und Kuba bemüht. 

Nun hat Snowden aber seinen Antrag auf Asyl in Russland nach Angaben der dortigen Regierung zurückgezogen. Snowden habe seine Meinung geändert, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin ihn aufgefordert habe, seine anti-amerikanischen Tätigkeiten einzustellen, erklärte ein Sprecher Putins in Moskau. 

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Wikileaks zufolge wurden Schreiben mit einem Asylbegehren an Snowdens derzeitigem Aufenthaltsort auf dem Moskauer Flughafen an einen russischen Offiziellen übergeben, der die Schriftstücke an die jeweiligen Botschaften weiterreichen sollte. 

Snowden kritisiert USA scharf

Der frühere Geheimdienstmitarbeiter Snowden hatte die Überwachungsprogramme der USA und Grossbritanniens enthüllt und damit vor allem in der EU für einen Aufschrei der Empörung gesorgt. Die USA werfen dem 30-Jährigen Landesverrat vor und fordern seine Auslieferung.

Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme seit seiner Flucht derweil scharfe Kritik an seinem Heimatland geübt. In einer auf dem Enthüllungsportal Wikileaks veröffentlichten Erklärung warf er der US-Regierung «Täuschung» vor.

Wikileaks unterstützt Snowden

Noch vor wenigen Tagen habe US-Präsident Barack Obama bekräftigt, er werde kein diplomatisches Gezerre in seinem Fall zulassen, hiess es in der von Snowden unterschriebenen Erklärung. Nun habe er Vize-Präsident Joe Biden aber damit «beauftragt, die Anführer jener Länder unter Druck zu setzen, von denen ich Schutz erbeten habe, damit sie meine Asylgesuche ablehnen».

Diese Form der «Täuschung» sei Ausdruck altbekannter «Mittel der politischen Aggression», fuhr Snowden fort. Sie dienten weniger ihm selbst als vielmehr zur Abschreckung «aller, die nach mir kommen». 

Snowden warf der US-Regierung darüber hinaus vor, «Staatsbürgerschaft als Waffe einzusetzen». Ohne eine gerichtliche Anordnung sei sein Pass annulliert worden und er sei nun «staatenlos». Ausserdem sei er seines «Grundrechts auf Asyl» beraubt worden. Snowden hielt der US-Regierung ausserdem vor, letztlich nicht vor ihm Angst zu haben, sondern «vor einer informierten, verärgerten Öffentlichkeit, die jene rechtsstaatliche Regierung fordert, die ihr versprochen wurde».

Aussenministerium: Snowden ist noch Amerikaner

Der Sprecher des US-Aussenministeriums, Patrick Ventrell, sagte unterdessen in Washington, Snowden sei noch immer ein US-Bürger und habe daher auch «das Recht auf einen freien und fairen Prozess für die Verbrechen, die ihm zur Last gelegt werden». Er wies Vorwürfe, die USA würden den 30-Jährigen im Stich lassen, zurück. Die Regierung könne Snowden jederzeit ein Dokument zur Einreise in die USA ausstellen.

Indes kündigt Snowden weitere Enthüllungen über die Spähprogramme der US-Geheimdienste an. «Ich bin weiterhin frei und kann Informationen veröffentlichen, die dem öffentlichen Interesse dienen», schrieb Snowden in einem undatierten Brief an den ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa. Obwohl die USA ihn wegen seiner Enthüllungen international verfolgten, wolle er weiterhin für Gerechtigkeit «in dieser ungleichen Welt» kämpfen, schreibt Snowden in dem Brief, welcher der Nachrichtenagentur Reuters vorlag.

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Dank an Ecuador

Zugleich bedankte sich Snowden bei Correa dafür, dass Ecuador ihm bei der Flucht von Hongkong nach Moskau geholfen habe und das südamerikanische Land nun seinen Asylantrag prüfe. Es gebe nur wenige Staatsführungen, «die es riskieren, sich für die Menschenrechte eines Einzelnen einzusetzen und sich gegen die mächtigste Regierung der Welt zu stellen», hiess es in dem auf Spanisch geschriebenen Brief. «Der Mut von Ecuador und seinem Volk ist ein Beispiel für die ganze Welt.»

(muv/tke/sda/reuters)